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Dialog mit OM zu dem Film: "Guru - Bhagwan, his secretary & his bodyguard", eine Dokumentation über Oshos Wirken als Lehrer.

MITSCHRIFT EINES DIALOGES VON SCHÜLERN MIT OM C. PARKIN, DIE SICH GEMEINSAM DEN FILM "GURU" ANSAHEN.

 

F: Ich sah gerade den Film „Guru“. In mir tauchte die Frage auf: Was machte Oshos Sangha eigentlich so effektiv? Ist denn wirklich der Weg der Kraft von den Menschen tief erfahren worden und die Kraft dann frei geworden oder war da etwas ganz anderes im Spiel, was mit Bewusstheit gar nicht viel zu tun hatte?

OM: Du darfst nicht vergessen, dass die Kommune auch effizient in ihrem Untergang war.

F: Wer sagt denn, dass der Weg der Kraft einfach nur ein Weg nach oben ist?

OM: Das ist sicherlich richtig, nur es wirft die Frage auf, um was für eine Form des Abstiegs es sich dort gehandelt hat? Ich sagte in einem sehr frühen Interview - das war eine der ersten Broschüren über Gut Saunstorf – Ort der Stille, die vor 2003 rausgekommen ist, da ging es um eine Frage zu Osho - da sagte ich, dass es nur eine mögliche Interpretation sei, seine Sangha sei gescheitert. Aber im Grunde stehen wir in diesem Augenblick vor derselben Frage, - um was für eine Form des Abstiegs handelt es sich denn? Natürlich ist der innere Weg kein reiner Weg des Aufstiegs. Der Abstieg, der ja offensichtlich ein Abstieg in den Tod ist, muss ebenso genommen werden, wie der Aufstieg - und dennoch bleibt die Frage im Raum - um was für eine Abstiegsform handelt es sich denn, bei dem, was dort geschehen ist?

F: Was für mich spürbar war, war im Verlaufe dieser Darstellung - Schmerz. Ich bin mit sehr starkem Schmerz in Berührung gekommen, den ich sonst mit großer Energie vermeide. Aber da war er nicht vermeidbar - es war einfach Schmerz da.

OM: Die Frage ist - was ist mit Osho geschehen? Es gab in dieser Dokumentation mehrere sehr unangenehme Augenblicke, die bezeugt werden konnten. Einmal natürlich die Beschreibung des ehemaligen Bodyguards, der beschreibt wie er in Oshos Zimmer eintritt - ich glaube es war ein Moment, wo der Zahnarzt im Raum war und Osho im Grunde nicht Herr seiner Sinne war, verwirrt - so wie er es beschrieb, unter Drogen - und die Reaktion dieses Schülers Mitleid war - nicht Mitgefühl, sondern Mitleid. Dass heißt, er sah in Osho in dem Moment nicht Menschlichkeit sondern Kleinheit, so würde ich interpretieren, was er gesehen hat. Er hat bisher in Osho nur Größe gesehen und jetzt sah er Kleinheit, nicht Menschlichkeit, das ist nicht dasselbe. Und der nächste und zweite sehr unangenehme Augenblick war der Darshan als Osho berichtete, was mit Sheila passiert ist. Und ich kann nur sagen, es war die Wirkung in dem Augenblick, es war nicht ein Moment des Zornes, des Feuers, es war auch kein Moment der Liebe - es war weder dies noch das. Es hatte den Geschmack, einer Form von Schwäche, die nicht wirklich menschlicher Natur ist, sondern die aus der Unwahrheit stammt. Es gibt verschiedene Formen von Schwäche. Wenn dieser Körper durch den Tod geschwächt wird, dann ist der Ausdruck dieses Körpers Schwäche. Wenn er durch Tod und Krankheit geschwächt wird, dann wird der Ausdruck Schwäche sein. Nicht Stärke sondern Schwäche. Und diese Schwäche wird in irgendeiner Form liebevoll sein. Sie wird einfach sein, hingegeben ohne Kampf und Widerwille gegen den Tod, vielleicht wird sie mürrisch sein in Momenten, aber sie wird nicht hasserfüllt, urteilserfüllt oder ähnliches sein - sie wird nicht vom Geist erfüllt sein….

F: Aber woher ist denn die Quelle der Boshaftigkeit erschienen?

OM: Also wenn ich es ganz einfach und nüchtern ausdrücke - ohne weiter einzutauchen – so ist es Nicht-Einverständnis.

Ich meine, wenn ich bezeuge, wie ein Schüler sich in Unwahrheit abkehrt, dann ist der Zorn oder der Ausdruck nicht einverstanden mit der Lüge - aber er ist einverstanden damit, dass er geht. Es ist Einverständnis da, dass sich jemand abkehrt, absolut - aber es ist kein Einverständnis da, mit der eigenen Welt der Lüge, möglicherweise, die damit verknüpft ist. Und ich habe immer wieder gesagt, wenn ein Mensch die Schwäche bloßlegt, die sich in der einfachen Aussage widerspiegelt "Ich habe zu viel Angst", dann ist das doch ein einfacher und authentischer Augenblick voller Einverständnis aller Seiten.

Es hatte eine unglaubliche Magie was da geschehen ist und natürlich muss man auch sagen, dass diese Magie ja nun nicht ausschließlich auf die Form von Osho zurückgeht, sondern dass diese Magie auch zwei Aspekte des kollektiven Geistes trägt, die man mit einbringen muss. Es ist einmal die Magie der 70er Jahre und es ist zum Zweiten die Magie Indiens. Beides muss mit in Erwägung, in Betracht gezogen werden. Nüchtern gesprochen muss ich sagen, dass in Oshos Community nicht die Innere Arbeit, das Sadhana geschehen ist, welches angemessen wäre für den fortgeschrittenen Weg. Der Großteil der Praktiken beschränkte sich auf das erste und zweite Gehirn. Und ein Großteil der Gefühlszustände, Erlebnisse und der Höhenflüge, die dort erlebt wurden, beschränkten sich auf diese Ebenen. Aber der eigentliche Kern der Inneren Arbeit und überhaupt des Befreiungsweges, das Spurenlesen des Geistes, wurde vernachlässigt. Das hatte zur Folge, dass der Geist heftig zurückschlug. Der denkende Geist muss im 3.Gehirn „genadelt“ werden, wie ich es oft ausdrücke. Die Arbeit mit den unteren Gehirnen ist untergeordnet. Osho selbst hatte eine Körperfixierung und ich bin nicht von dem Ergebnis überrascht, was dort geschehen ist, dass von der Magie und den Erfahrungen auch bei vielen Menschen nicht allzu viel Nachhaltiges geblieben ist. Das ist eine ganz nüchterne Aussage über Formen innerer Praxis, die aus meiner Sicht am Wesentlichen vorbeigehen.

F: Da ist ja sehr viel Sehnsucht geblieben und Wunsch nach Wiederholung.

OM: Zu mir kamen im Laufe der Jahre viele, viele ehemalige Sannyasins. Viele sind „hängengeblieben“ sind nicht in der Lage, weiter zu gehen auf dem Weg und sich dem Schwelgen dieser Vergangenheit zu entziehen, wirklich einen neuen Schritt zu machen und sich überhaupt einem anderen Lehrer zuzuwenden.

Der Film stellte die Frage: Was ist schief gelaufen? Einfach gesagt - hielt sich die Gemeinschaft für eine Gemeinschaft von Erleuchteten, für eine Gemeinschaft der Besseren und Besonderen? Die Integration des Gegners, eine der wesentlichen Lehren auf dem Weg der Kraft, hat in Oregon gar nicht stattgefunden. Daraufhin wurde die Macht des Gegners immer stärker - und musste mit Waffengewalt, mit Uzis im Zaum gehalten werden. Eine groteske Szenerie für eine Sangha. Dass es Gegner gibt, ist außer Frage. Mystiker, Weise, Wissende sind gefoltert worden, sind getötet worden und dennoch zeigt für mich das Geschehen, die Wendung in Oregon: Der Gegner wurde nicht integriert - von Osho nicht und von der Gemeinschaft auch nicht. Daraufhin wurde dieser innere (!) Gegner immer machtvoller - übernahm die Macht in den Menschen als Paranoia, bis er dann sogar in Form von Geheimagenten ins Lager eindrang und letztlich alle aus dem Land schmiss.

F: Für mich ist das der ganz entscheidende Schlüssel: Die Nichtintegration des Gegners.

OM: Sheila hat in ihrer Welt den Gegner im Außen gesehen. Sie hat eine 9er-Fixierung. Sie ist nicht zu dem Punkt der Erkenntnis vorgedrungen, dass der Gegner ausschließlich im Innen zu finden ist. Sie hat ihn im Außen gesehen und sie hat ihn dort bekämpft. Sie hat ihn nicht nur in der lokalen amerikanischen Bevölkerung gesehen, sie hat ihn auch in Sannyasins gesehen, die gegen Osho gesprochen haben oder gegen die Kommune oder gegen das, was dort geschieht, und hat dann offensichtlich eine Art Denunziantentum, ein Spitzelsystem etabliert, das Ausdruck ihrer eigenen Paranoia war und ihrer eigenen Unfähigkeit - letztlich muss ich sagen, ihres Unverständnisses des inneren Weges. Ob sie überhaupt einen inneren Weg gegangen ist - das ist in Frage zu stellen.

F: Dieser Schatten der sich da gezeigt hat, war das auch Oshos Schatten?

OM: Weißt du, für einen Schüler des Weges ist es meist wesentlicher und wertvoller, über die Schüler zu sprechen, als über den Lehrer. Ich bin in gutem, geistigem Kontakt mit Osho und ich kann diese Liebe, die da geflossen ist, fühlen und es gibt keinerlei Bewertung darüber. Wichtig ist zu sehen, was mit den Schülern geschieht. Meine Berührung mit dem ist ja eher die Berührung, mit ehemaligen Schülern von Osho. Ich möchte sagen, dass mir nach diesem Film noch einmal ein anderer Aspekt ins Bewusstsein kam - ich denke da an die Tragik von J., der eben dem inneren Zirkel recht nahe stand und wohl zu den Menschen gehörte, die Osho äußerlich recht nahe waren. Es ist tragisch, wie J., der dann zu mir kam, sich abwandte und bald darauf verstarb: Er war ein gebranntes Kind und konnte nicht vertrauen. In gewisser Weise sehe ich diesen Aspekt auch in anderen ehemaligen Sannyasins, die recht nahe kamen: Sie sind gebrannte Kinder, doch häufig sind sie sich dieses Traumas nicht voll bewußt, da es unter einer Form der Verklärung verborgen ist. Gebrannte Kinder sind wir eigentlich alle, wenn wir andere Lehrer in Betracht ziehen - nämlich die Lehrer in Form der persönlichen Eltern, im Wesentlichen. Aber ich muss sagen, dass das Thema des gebrannten Kindes um ein vielfaches potenziert wird, wenn es sich um die Erfahrung mit einem spirituellen Lehrer handelt. Das hat eine andere Dimension und auch eine andere Tragik, wenn wir die Auswirkungen dessen im Geiste dieses Menschen sehen. Die Logik des Geistes spricht dann: „Du hast dich einmal verbrannt - pass auf, dass dir das nie wieder geschieht.“ Der innere Weg ist dann ab einer gewissen Stufe blockiert.

F: Wie haben sie sich genau verbrannt?

OM: Du bist verbrannt, wenn du fühlst, dass dein Vertrauen missbraucht wurde. Dann fühlst du dich verbrannt. In gewisser Weise ist es dem Kind unweigerlich mit den Eltern auch so gegangen. Es handelt sich letztlich um eine kindliche Sicht, dass dein Vertrauen „im außen“ missbraucht wurde. Der Mensch des inneren Weges sieht die Spiegelung im Innen. Er verbrennt sich an sich selbst.

Dialog mit OM C. Parkin und Schülern, 2012.
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