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Wahre Bildung befreit

Nachklang zur Konferenz der Stiftung Gut Saunstorf - Ort der Stille "Welche Bildung braucht der Mensch?" vom 29. April bis 1. Mai 2017
von Dr. Burkhardt Müller, Beirat der Stiftung Gut Saunstorf - Ort der Stille

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„Die Konferenz war rund“. Mit diesem Zitat fasste OM C. Parkin zusammen, was viele Teilnehmer in Rückmeldungen zum Ausdruck brachten. Der Aufbau der Konferenz, beginnend mit den Anlagen des Kindes, über die richtungsgebende Rolle des Erwachsenen hin zur spirituellen Dimension von Bildung und Ent-Bildung, erzeugte eine organische Integration von unterschiedlichen Aspekten und Ebenen.

Konferenz "Welche Bildung braucht der Mensch?"

Alle Referenten brachten durch ihre Präsenz wertvolle Einblicke in die Essenz der Themen. Erheiternde Begeisterung, Neugierde und Spontaneität des Kindes wurden von André Stern charismatisch und frei vermittelt. Mit vielen lebendigen Beispielen aus der Sicht des Kindes und dem Aufzeigen von absurden Verhaltensweisen der Erwachsenen erzeugte er beim Auditorium neben Berührung und Leichtigkeit auch ein gehöriges Unbehagen. Die von ihm aufgeworfene Frage, ob Lernen überhaupt mit einem Tun verbunden ist, war in der anschließenden Inneren Arbeit mit Ulrike Porep, Enneallionce-Lehrerin, eine zentrale Frage. Gerade viele neue Menschen brachten sich hier ein und wurden liebevoll und direkt an ihre inneren Themen geführt. Der Film am Abend, 'Alphabet – Angst oder Liebe' über die Bildungskatastrophe stand für sich.

Das strukturierte Setting, in dem sich Thomas Grüner bewegte, zeigte die Landschaft von Erziehung, Grenzen und Konflikt. Als Mann der gelebten Praxis gab er Einblicke in den Zustand an deutschen Schulen. Seine Ausführungen über unterschiedliche Erziehungsstile waren genauso bemerkenswert wie die Erkenntnisse zum Verlust der männlichen Autorität bei Lehrern und Führungskräften in Deutschland. Die sich anschließenden Systemaufstellungen und Innere Arbeit von Steffen Wöhner und Helga Parkin, beide ebenfalls Enneallionce-Lehrer, zeigte sichtbar auf, dass sich ein Kind nach Führung sehnt und verinnerlichte Pädagogen mit Herzensautorität eine sehr verantwortungsvolle und wichtige Aufgabe bei der Erziehung junger Menschen haben. In der zweiten Aufstellung wurde das zentrale Dilemma des Menschen sichtbar: die Verstrickung zwischen einem tyrannischen Kind und einem lieblosen Erwachsenen.

Konferenz "Welche Bildung braucht der Mensch?"
OM C. Parkin

Die ganze Dimension von Bildung wurde im Vortrag von OM C. Parkin dargelegt. Ausgehend von Zitaten Meister Eckharts, in denen die Befreiung von Selbstbildern zu Gott führt, ist das Ziel wahrer Bildung die vollständige Erkenntnis des Selbst. OMs Aussage, dass die Entstehung des Ichs ein vorübergehendes und notwendiges Hilfsmittel zur Selbsterkenntnis ist, welches nach „Zweckerfüllung“ wieder fallen gelassen werden kann, war aus dieser Perspektive für viele beeindruckend neu. Bildung und Ent-Bildung gehören auf allen Ebenen zusammen, damit das wahre menschliche Potential entfaltet werden kann in der Einbildung in Gott.

Der Rhythmus der Konferenz war einerseits geprägt von tiefen und unverfälschten Eindrücken in die Essenz von Freiheit, Führung und ihrem natürlichen Zusammenspiel, andererseits wurden die Teilnehmer durch Dialoge, innere Arbeit und systemischen Aufstellungen erfahrbar in das Geschehen eingebunden. Dadurch ergab sich eine kontinuierlich zunehmende Vertiefung und anstrengungslose Integration von Widersprüchen und Gegensätzen. Die liebevoll gestaltete Ausstellung  von Schülerarbeiten (Fotografien, teils bearbeitet und Texte) zu den Themen ‚Stille‘, ‚Selbsterforschung‘ und ‚Wünsche an Schule‘ rundete die Konferenz ab.  

Der Darshan mit OM am zweiten Abend, der nicht Bestandteil der Konferenz war, zu dem aber alle TeilnehmerInnen eingeladen waren, bot die Möglichkeit, OM als spirituellen Meister zu erleben. Es wurde erfahrbar, dass OM nicht nur als Vortragender zur Verfügung steht, sondern insbesondere als Herzens-Lehrer aus der einen Quelle spricht.


Konferenz "Welche Bildung braucht der Mensch?"
André Stern

Hier einige Erfahrungsberichte:

Es war ein sehr intensives und bereicherndes Wochenende mit drei spannenden Vorträgen sowie Innerer Arbeit am Nachmittag. Ich habe diese Mischung als sehr wertvoll empfunden, da sie viel in mir ausgelöst hat. Seither habe ich lebhafte und tiefgehende Träume, die mich emotional auch nach dem Erwachen weiter beschäftigen. Ich spüre, dass ich die Eindrücke der Konferenz noch weiter verarbeite, sich Dinge in mir transformieren und vorhandene Denk- und Verhaltensmuster neu definiert werden. Ich bin fasziniert über diese Tiefe der Konferenz und unendlich dankbar für diese wundervolle Erfahrung. Neben wunderbaren Referenten und tiefgehender Innerer Arbeit hat sich Gut Saunstorf mit einer reibungslosen Organisation, tollem Essen und einem Ambiente zum Wohlfühlen von seiner besten Seite gezeigt. Vielen Dank dafür, es war einfach toll! 

Jalda Reissig, Personal Trainerin


 

Diese Konferenz war etwas Besonderes und sie hat mich sehr inspiriert.

Als erster Referent sprach André Stern über seine Erfahrungen des Lernens außerhalb des normalen Schul- und Bildungssystems, ein Lernen ohne Prüfungen und ohne Druck. Sein Vortrag berührte und seine Begeisterung war ansteckend. Am nächsten Tag referierte Thomas Grüner, ein Diplom-Psychologe, der sich insbesondere in Schulen engagiert und mit Schülern Konfliktmanagement einübt. Eindrucksvoll schilderte er die Bedeutung von Führung und Grenzsetzung, einer Thematik, die vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte keine leichte ist. Im dritten Vortrag sprach OM C. Parkin über das Thema Bildung aus Sicht der christlichen Mystik und beschrieb die Entwicklung vom persönlichen Wissen über das Nicht-Wissen zum unpersönlichen Wissen, das sich aus dem Nicht-Wissen entfaltet.

Ergänzt wurden die Vorträge durch Innere Arbeit mit Ulrike Porep und systemische Aufstellungsarbeit mit Steffen Wöhner. Insbesondere die wesentliche Bedeutung von Führung im Kontakt zwischen Erwachsenem und Kind (äußerlich wie innerlich) wurde mir dabei noch einmal sehr bewusst.

Eine Woche ist nun seit der Konferenz vergangen und sie wirkt weiter in mir.

Frank Walz, Facharzt für Psychiatrie & Psychotherapie


Konferenz "Welche Bildung braucht der Mensch?"
Thomas Grüner

Für mich war das gesamte Wochenende rundum gelungen. Eingebettet in den würdigen und tragenden Rahmen des Gutshauses, in dem wir ein wunderschönes Zimmer bewohnten, war die Konferenz für mich persönlich eine ganz neue Erfahrung. So ein gemeinsames Miteinander von Menschen, die von außerhalb, vielleicht sogar das erste Mal, nach Saunstorf gekommen sind und Schülern von OM, habe ich bisher nicht erlebt. Und obgleich es so viele Menschen waren, war der Ablauf dieser drei Tage, bedingt durch die hervorragende Vorbereitung und Organisation, reibungslos. Die Fülle der aufeinanderfolgenden Angebote war eng getaktet, so dass die Pausen manchmal sehr kurz waren, aber durch die exakte Einhaltung des Zeitplanes, war dieses kein Problem.

Die Konferenz an sich war genial; es stimmte einfach alles. Die drei Verantwortlichen führten souverän und gleichzeitig sehr menschlich durch ihr lang erarbeitetes Programm, was stimmig und feinfühlig aufgebaut war. Drei Vorträge, abwechselnd mit Innerer Arbeit zur Vertiefung, empfand ich als gelungene Mischung, in der es kein Zuviel gab. Der Vortrag von André Stern zu Beginn war für mich persönlich dabei ein Highlight, das mich sehr bewegte und auch auf einer tieferen Ebene erreichte und berührte. Ich habe einen gefühlten Kontakt zu meinem freien Kind erfahren dürfen, was ich besonders bei der Übung vor der Aufstellung am nächsten Tag erfahren konnte.

Die Krönung zum Abschluss war der Vortrag von OM, der auf mystische Weise alle Fäden des Wochenendes anschaulich und nachvollziehbar zusammengefügt und vereint hat. Ich konnte seine Worte mit offenem Herzen in mich aufnehmen, ohne eine Anstrengung, verstehen zu wollen oder zu müssen.

Die Erfahrungen des Wochenendes wirken nach in mir. Plötzlich erkenne ich mein eigenes tyrannisches Kind und stelle fest, wie sehr es nach innerer Führung verlangt und dass es daran bisher gemangelt hat.

Ich bin sehr dankbar und fühle mich reich beschenkt.

Sabine Müller


 

„Meinen allerherzlichsten Dank für die sehr gelungene Bildungskonferenz, die bei mir einen großen Eindruck hinterlassen hat und noch lange nachwirken wird. Der Bogen war klug gespannt, die Essenz am Schluss der Glanzpunkt.“

Mit vielen herzlichen Grüßen

Regine Wetzig


Konferenz "Welche Bildung braucht der Mensch?"

Ich fahre nach Saunstorf zur Konferenz „Welche Bildung braucht der Mensch“ und freue mich sehr, diesen Ort in einem anderen Rahmen als dem der Mysterienschule zu erleben. Da ich selber in Schule, im Bereich Sonderpädagogik arbeite, freue ich mich darauf, meinen Horizont zu erweitern und neue Impulse zu bekommen – für mich, für meine Arbeit.
Es geht gleich am Samstagvormittag los mit einem enthusiastischen Vortrag von André Stern. Es ist ihm ein spürbares Herzensanliegen, von seinen Erfahrungen zu berichten, wie er aufwuchs und lernte, ohne jemals eine Schule besucht zu haben. Sein Plädoyer ist klar: lasst den Kindern mehr Freiraum, lasst sie mehr Erfahrungen aus erster Hand machen, glaubt an den natürlichen Drang zu forschen und zu lernen und geht in das Vertrauen, dass sie alles lernen werden, was sie für dieses Leben wirklich brauchen. Was das Kind seiner Meinung nach braucht, sind Begeisterung und Liebe des Erwachsenen. Was es behindert, das sind Grenzen. Ich gehe berührt und innerlich aufgewühlt aus diesem Vortrag und mein Geist sagt mir sogleich, dass es doch so einfach nicht sein kann. Später wird mir klar, was mir fehlte: vor lauter Enthusiasmus dem freien Kind gegenüber, fehlte mir völlig der Aspekt der dunklen Seite des Kindes, welcher (das weiß ich aus eigener Erfahrung) klare Grenzen braucht.

Am Sonntag höre ich dann den zweiten Vortag von Thomas Grüner. Habe ich gestern ein frisches und lebhaftes Kind auf der Bühne erlebt mit seiner ganz eigenen Performance, so steht mir heute der Erwachsene gegenüber in seiner Klarheit und Nüchternheit. Bei Thomas Grüner höre ich, dass es so leicht mit der Freiheit des Kindes dann doch nicht ist, denn gerade das Kind muss lernen, die Freiheit und Bedürfnisse der anderen zu respektieren. Das Kind braucht Grenzen, es hat eine Tendenz zur Uferlosigkeit und die Frage ist lediglich, wie geht liebevolles Führen?
Ich höre, dass es den liebenden Erwachsenen braucht, der sich nicht aus allem heraushält, der nicht unnachgiebig jeden kindlichen Impuls unterdrückt und allein bestimmt, sondern dass es auch den Weg der Mitte gibt: liebevolle Zuwendung bei gleichzeitiger klarer Orientierung und Grenzsetzung.

Ich gehe innerlich seltsam bewegt aus diesem Vortrag. Etwas in mir kommt zur Ruhe, hat eine innere Orientierung und fühlt sich auch bestätigt. Auch für mein tägliches Arbeiten habe ich neue Impulse. Was mir jedoch noch fehlt, ist eine Art von Synthese, ein Zusammenfließen des Gehörten und eine Ganzheit, in der alles zusammen enthalten sein kann.
Diese Ganzheit finde ich am dritten Tag in OM´s Vortrag. Ich bekomme einen Überblick über die verschiedenen Ebenen von Bildung und wie ein Mensch sie auf seinem (inneren) Weg – je nach Reifegrad – erlangen kann. Ich höre, dass der Mensch der Form von Bildung bedarf, die er in seinem jeweiligen Bewusstseinszustand aufnehmen kann. Und ich verstehe, dass meine innere Welt der äußeren entspricht.
Ich kann sehen, dass mein innerer Erwachsener meinem inneren Kind so an die Seite oder entgegen tritt, wie ich im äußeren Leben als Lehrer /Erwachsener meinen Schülern /Kindern entgegen oder an die Seite trete.
Und was ist für mich nun der große Wert dieser Tage?
Ich habe nicht nur viel Neues in den Vorträgen gehört, ich habe auch, in der Inneren Arbeit und während der Übungen zwischendurch, das Gehörte fühlen gelernt. Ich habe aus diesen Tagen die direkte innere Erfahrung für mich mitgebracht und somit das Gehörte überprüft und wirklich verstanden. Und ich konnte sehen, dass für meine alltägliche Arbeit in Schule immer wieder neu die Begegnung zwischen mir und meinen Schülern wichtig ist. Es liegt an mir, was ich daraus mache, das Bildungssystem spielt nur eine untergeordnete Rolle. Ich kann es für meine Arbeit nutzen, es muss mich jedoch nicht behindern. Ich kann in der Angst bleiben oder in das Vertrauen gehen.

Wie gut ist es, das zu wissen. Es macht mich frei und zeigt mir meine Verantwortung. Und damit kann ich losgehen und mein inneres Kind an die Hand nehmen.

Gero Dierks, Wildnispädagoge

Klosterbrief Juni, 2017
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