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Der Friedensbote

Hier ein Kurzbericht und einige Impressionen von diesem besonderen Tag der Einweihung des Friedensbotens. Nachfolgend noch einige vertiefende Anmerkungen von OM C. Parkin über die Bedeutung dieses Kunstwerkes für das moderne Kloster. 

Der Friedensbote von Heinrich Kirchner vor dem Kloster Saunstorf

Am Samstag, dem 23. Juni wurde die 4,85 Meter hohe Bronzeskulptur des bedeutenden spirituellen Künstlers Heinrich Kirchner (1902-1984) auf dem Rondell vor dem Gutshaus auf einem vor Ort gebauten Sockel aufgestellt. Zuvor war sie per Tieflader aus Südbayern, wo der Bronzeguss hergestellt worden war, in einer aufwändigen Aktion nach Saunstorf gebracht worden. Nach einer Probeaufstellung dieser großen (und schweren!) Bronzeskulptur am Vortage verlief die feierliche Aufstellung fachmännisch gekonnt und glücklich vor einer Vielzahl geladener Gäste und der Saunstorfer Sangha.

Nach aufregenden Minuten konnte die große Bronzeskulptur würdig eingeweiht werden und prägt nun als einladender Gottesgruß die Nordseite, das Entree des Gutshauses, mit. Zugleich prägt sie den Charakter des modernen Klosters auf eindrückliche Weise. Sowohl Dr. Rüdiger Porep (vom Vorstand der Stiftung Gut Saunstorf - Ort der Stille) als auch die Enkelinnen des Künstlers – Martina und Nicole Kirchner – fanden zu diesem bewegenden Ereignis berührende und informative Worte.

Friedensbote Kloster Saunstorf Heinrich Kirchner

Am Abend wurde im Gutshaus eine Heinrich Kirchner Ausstellung mit weiteren, kleineren Bronzeskulpturen des Künstlers durch seine oben genannten Enkelinnen eröffnet.

Austellung Kirchner

Am Sonntag, dem 24. Juni, führte eine Matinée in die Ausstellung ein: Das Trio L`Ondine gab ein Konzert vor vollem Haus auf beeindruckend hohem künstlerischem Niveau mit Werken von Ludwig van Beethoven, Franz Schubert, Bohuslav Martinu und Robert Schumann. Die hervorragenden jungen Musiker waren Dainis Medjaniks (Geige), Laura Moinian (Cello) und Asen Tanchev (Klavier).

Matinee Impressionen

Danach gab es die Möglichkeit, die Ausstellung weiterhin zu besuchen, ein wenig im Gutshaus zu verweilen und kleine Köstlichkeiten aus der Gutshausküche zu genießen.


OM C. Parkin

OM C. Parkin sprach in der Gemeinschaft über die Bedeutung des Friedensboten. Hier ein Ausschnitt davon:

Bestimmte Bewegungsformen wie die Sacred Movements, die ich den Schülern lehre, gewinnen ihre Kraft daraus, dass sie Archetypen der Seele berühren, das heißt, es handelt sich um einfache Bewegungsformen, die nicht durch ihre äußere Form bestechen, sondern dadurch, dass sie innere Haltungen der Seele sichtbar machen. Archetypen sind der Seele zuzuordnen und nicht dem menschlichen Geist. Und diese archetypischen Bewegungsformen und Haltungen haben sich in Jahrhunderten und Jahrtausenden von Religionsausübungen ihren Platz geschaffen.

Dazu gehört das Namaste in Indien, das ja völlig identisch in der christlichen Tradition auftritt, und dazu gehört auch eine Bewegung, die ich den Gottesgruß nenne. Der Gottesgruß kommt in den Sacred Movements vor und spielt darin immer wieder eine große Rolle. Diese Bewegungsform, diese Haltung, erkannte ich in den Skulpturen eines tief christlichen, spirituellen Künstlers wieder, den ich schon vor 25 oder 30 Jahren kennen gelernt habe: Heinrich Kirchner. Von ihm hatte ich einen Bildband, der all die Jahrzehnte in meiner Bibliothek überdauert hat, und mir vor ein paar Jahren wieder in die Hände fiel. Ich hatte diesen Künstler nie ganz vergessen und das Wiedererkennen des Gottesgrußes in Gestalt des Friedensboten führte mich dazu, diese Skulptur hier als Empfangsbote, als Grüßer der Gäste von Gut Saunstorf – Ort der Stille sehen konnte.

Aus einem anderen Blickwinkel bestätigte sich die Platzierung dieser Figur durch Visionen von Schülern aus dem inneren Kreis, die sehen konnten, dass der Nordteil unseres Gutshauses und unseres Geländes, den nach außen gerichteten, extrovertierten Teil des ganzen Projektes repräsentiert, während der Südteil den nach innen gerichteten, introvertierten, und damit den eigentlichen Kern der Vermittlung der inneren Lehre repräsentiert.

Impressionen Aufstellung Friedensbote

Der der nach außen gerichtete Teil hat die Aufgabe, die Menschen anzuziehen und überhaupt für eine Lehre bereit zu machen. Es war an der Zeit, nach einer ersten Phase des Klosters, in der es um Findung, Zusammenwirken und Konsolidierung ging, jetzt diesen extrovertierten Teil zu nähren. Es galt nun etwas zu tun, was erdfühlige Menschen schon seit tausenden von Jahren taten, indem sie an bestimmten Orten heilige Zeichen, zunächst waren es oft Steine, platzierten. Ich nenne das Erdakupunktur. Die Skulptur hat einen bestimmten Platz gefunden, von dem aus sie auf das Ganze wirken kann. Erdakupunktur ist natürlich eine niedere Form der Akupunktur, die höchste Form der Akupunktur ist geistiger Art, und trotzdem hat sie ihren Platz. In einem tieferem Verständnis ist es ja die Repräsentanz einer geistigen Kraft, die durch diesen Friedensboten ausgedrückt wird. Er steht an einem Ort, wo die Gäste diesem Gutshaus und letztlich dem modernen Kloster zum ersten Mal materiell begegnen. Sie treten ein durch das Portal und kommen dann am Friedensboten vorbei.

Klosterbrief, September 2018
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