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Die Drei Geistesgifte und ihre Überwindung auf dem Weg zum Selbst.

Wissen aus den Lehren des Enneagramms

Kurz-Interview mit dem spirituellen Meister OM C. Parkin

Warum ist es sinnvoll, sich mit „Geistesgiften“ zu beschäftigen?
Der spirituelle Meister OM C. Parkin sagt dazu: „Die stärksten Gifte sind auch die stärksten Heilmittel“. Der Mensch ist mit einem Geist identifiziert, der sich „ICH“ nennt. Und wer an wirklicher Freiheit, innerem Frieden und wahrem Glück interessiert ist, kommt nicht umhin, diese geistigen Bewegungen zu erkennen, die uns von unserem wahren Wesen trennen. Dabei kann das Enneagramm hilfreich sein, da es genau diese trennenden Kräfte beschreibt. Gleich- zeitig zeigt es auch Wege der Wandlung und Transformation.

In seinen Vorträgen zu diesem Thema stellt OM C. Parkin das buddhistische Konzept der Drei Geistesgifte, sowie die Drei Geistesbewegungen, wie sie das spirituelle Enneagramm beschreibt, vor. Die von ihm eingeführte Vierte Bewegung ist dabei das Heilmittel auf dem Weg zum Selbst.

Im folgenden Kurz-Interview befragten die Dipl. Psychologin Regina Munzel und der Journalist Christian Beneker OM C. Parkin zum Thema:

 

Frage: Du sprichst von drei Geistesgiften, die jeder Mensch nimmt. Warum sollte sich ein Mensch damit beschäftigen? Wäre es nicht viel wesentlicher, sich mit Heilmitteln auseinanderzusetzen?

OM: Die stärksten Gifte sind auch die stärksten Heilmittel! Das ist in der Heilkunst der Homöopathie bekannt. Ich selbst habe beispielsweise vor vielen Jahren die Heilkraft von Arsen in einer Hochpotenz erfahren, als ich in Indien eine schwere Lebensmittelvergiftung hatte. Auch in der rein geistigen Heilkunst, der Inneren Arbeit, die ohne Agenzien* auskommt, gilt das Prinzip, dass das stärkste Heilmittel, also jenes, welches transformatorische Kraft besitzt, das eingenommene Gift selbst ist. Die Einnahme der Drei Geistesgifte ist ein unbewusster Akt. Wenn Bewusstheit diesen Akt beleuchtet, kann sich eine vollkommene Wandlung dieses Giftes in ein Heilmittel vollziehen.

Frage: Was versteht man unter den Drei Geistesgiften?

OM: Dieser Begriff stammt aus den Lehren des Buddhismus. Namentlich handelt es sich um Gier, Hass und Verblendung. Doch es benötigt Unterweisung, um zu durchdringen, was mit diesen Begriffen wirklich gemeint ist.

Frage: Gibt es auch in unserer christlichen Kultur eine Entsprechung?

OM: In der christlichen Kultur existiert das Konzept von den sieben Todsünden, das sind sieben zentrale „Leidenschaften, die Leiden schaffen“. Dazu zählen z.B. der Stolz, der Neid,
die Gier, der Zorn. Diese Beispiele machen deutlich: Es gibt Überschneidungen. Um von dem Konzept der sieben Todsünden jedoch auf drei zentrale Geistesgifte zu kommen, muss ich eine Hierarchie einführen, doch die finde ich in den sieben Todsünden nicht. Deshalb arbeite ich mit einem anderen Modell, der Kosmologie des Enneagramms. Im Enneagramm der Egostrukturen finden wir neun Leidenschaften, welche die sieben Todsünden enthalten und ihnen zwei hinzu- fügen. Und diese neun Leidenschaften gehen auf drei Geistesbewegungen zurück.

Frage: Und die entsprechen den Drei Geistesgiften aus dem Buddhismus?

OM: Ganz genau. Diese drei Geistesbewegungen, welche durch das Enneagramm sichtbar werden, entsprechen im Wesentlichen dem Wissen aus dem Buddhismus. Es gibt also drei grundlegende Bewegungen des Geistes, die in jedem Menschen tagtäglich unbewusst, oder halbbewusst ablaufen, aus denen dann z.B. Hass, oder auch Angst entstehen. Es liegt auf der Hand, welchen immensen Wert das Wissen um diese drei geistigen Bewegungen für einen Menschen des inneren Weges hat.

Frage: Das heißt also, wenn diese drei Bewegungen im Geiste eines Menschen zur Ruhe kommen, dann ist er in Frieden?

OM: Ja, ohne diese drei geistigen Bewegungen können leidbringende Leidenschaften wie Stolz, Gier, oder auch Angst gar nicht entstehen. Deshalb arbeite ich mit der Achtsamkeit der Menschen und führe die „Vierte Bewegung“ ein. Die „Vierte Bewegung“ ist gar keine Bewegung. Es ist die Nicht-Bewegung im Geiste. Eine bewusste Regungslosigkeit. Die Bewusstheit lehrt mich: Niemand zwingt mich, mich in eine der drei Richtungen zu bewegen. Mit anderen Worten: Niemand zwingt mich, Gift zu nehmen. Ich kann soweit gehen, zu sagen, dass jede Form menschlichen Leidens letztlich auf diese drei Geistesbewegungen zurückgeht. Was diese Geistesbewegungen gemeinsam haben: es sind allesamt Bewegungen weg von mir selbst. Es sind drei Bewegungen, mit denen ich mich von mir selbst entferne. Kommen diese Bewegungen zur Ruhe, ruhe ich in mir selbst.

*Medizin Agens: medizinisch wirksamer Stoff 

Interview OM C. Parkin, Januar 2015

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