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Ein Hotel und Kloster reift heran - 5 Jahre Gut Saunstorf - Ort der Stille

JürgenWenn am Abend des 23. Juli das sechste Silent Love Schweige-Retreat auf Gut Saunstorf - Ort der Stille beginnt, haben wir einen fünf Jahre währenden Entwicklungsprozess zurückgelegt. Zeit für eine kleine Zwischenbilanz vom Geschäftsführer der Gut Saunstorf GmbH Jürgen Stöhr. 

Als wir anfingen, waren wir eine Handvoll Menschen, die den Betrieb im noch nicht endgültig fertiggestellten Haus aufnahmen. Belegt wurde es in erster Linie durch die Enneallionce - School for Inner Work und die Allionce e.V.. Inzwischen sind wir von einem klein- zu einem mittelständischen Betrieb mit jetzt 16 Mitarbeitern gewachsen. Jährlich haben wir über 5000 Übernachtungen im Hotel. Die Angebote für Gäste wurden mit der Heilpraxis ausgebaut und erweitert. Wir vertreiben Waren mit Natursprung und dem Gutshausladen. Aus der Allionce e.V. hat die Gut Saunstorf GmbH den Veranstaltungsbereich übernommen. Der erfolgte Integrations- und Erweiterungsprozess ist auch an der neuen Website www.borntobe.de zu erkennen, an der wir ein Jahr gearbeitet haben und die ein Symbol des Prozesses geworden ist. Alles unter einem Dach: der Lehrer, die Gemeinschaft und der materielle Ort mit seinem Doppelcharakter von Hotel und Kloster, sowie Stiftung und Verlag advaitaMedia.

Ein Hotel und Kloster reift heran - 5 Jahre Gut Saunstorf - Ort der Stille
Ein Hotel und Kloster reift heran - 5 Jahre Gut Saunstorf - Ort der Stille

Eröffnungsfeier Gut Saunstorf - Ort der Stille

Parallel zum inneren Reifungsprozess wuchs der Ort der Stille und hielt für jeden kontinuierlichen Besucher immer wieder neue Überraschungen bereit. Um nur einiges zu nennen: Die Zimmer- und Suite-Einrichtungen wurden vervollkommnet, viele Bilder schmücken das Haus, u.a. eine großzügige Schenkung von 40 Bildern von Claus von Oertzen, einem Nachfahren der ehemaligen Besitzer. Die Bibliothek ist entstanden, und aktuell werden endlich, endlich die letzten brachliegenden Bereiche bearbeitet. Ein kleiner exquisiter Saunabereich mit Ruhezone und Samadhi-Tank (eine Art geschlossene Badewanne in der das Wasser auf 34,8°C erwärmt und mit Salzen versetzt wird, so dass der Körper im Wasser „schwebt“) entsteht und ein kleiner stiller Meditationsraum unter dem Dach, der rund um die Uhr genutzt werden kann. Im Außenbereich gibt es das neue alte Rondell und ein erstes Gästehaus mit zusätzlichen Gästezimmern. Der Gutshausgarten ist eine Oase geworden, ein großes Gewächshaus am Feldrand versorgt die Küche bald mit vielfarbigen Tomaten. Aktuell wird die Außenfläche hinter dem Gutshaus zur einer stilvollen gepflasterten Terrasse und ein traditioneller schmiedeeiserner Gartenpavillon mit Lounge-Gruppe wird zum Retreat die Gäste erfreuen. Und das größte Projekt ist natürlich der neue klassische Zaun, der dem Ort der Stille eine Zentrierung gibt und dazu dem ganzen Ort eine Struktur. Im Park können die Gäste in diesem Sommer erstmals alle meditativen und entspannenden Plätze ungestört genießen. 

Wenn ich so auf den ganzen Ort der Stille schaue, die Entwicklungsprozesse innen und außen, dann kann ich sagen: „Wir haben jetzt auch für den Aufenthalt unserer Hausgäste den angemessenen Rahmen geschaffen.“

Nach fünf Jahren haben wir neben der klaren Ausrichtung als modernes überkonfessionelles Kloster mit seinen inneren Angeboten auch die passende Infrastruktur für alle äußeren Bedürfnisse. Das ist auch dringend notwendig. Warum das so ist, möchte ich anhand der wirtschaftlichen Situation deutlich machen, mit der wir es trotz allem Wachstum zu tun haben.

Die Einnahmen für Unterkunft und Verpflegung stagnieren seit drei Jahren. Zu über 90 % erfolgen die Einnahmen durch Gruppenbuchungen. Da können wir, was die Wochenendbelegungen angehen, zufrieden sein und weiter versuchen, die Belegungen zu optimieren. Der entscheidende Wachstumsbereich aber sind die Hausgäste, und die haben wir bisher noch nicht wirklich erreicht. Die Folge ist, dass wir im Hotelbetrieb noch im Minus sind. Das lässt sich so natürlich nicht dauerhaft aufrechterhalten. Jeder Wirtschaftsbereich muss letztendlich kostendeckend arbeiten. Dabei ist zu berücksichtigen, dass wir ein Handicap mit auf dem Weg bekommen haben: Eines, das die Realisierung des Hauses überhaupt erst ermöglicht hat. Das war der Verkauf von Wohnungen (in denen die belegbaren Zimmer sind), die wir jetzt zurückmieten und dafür monatlich 5000 € zahlen. Ohne Mietzahlungen sähe unsere Wirtschaftlichkeit anders aus. Neben der Verbesserung der Einnahmesituation braucht es für die Zukunft kreative Lösungen, wie diese Last durch Kauf der Wohnungsanteile verringert werden kann.

Eine weitere Belastung, die uns seit fünf Jahren begleitet, sind Kredite von ca. einer Million Euro, die aufgrund unvorhersehbarer Baukosten entstanden. Das sind alles private Kredite, die zum großen Teil auch immer wieder ausgelöst und durch neue Kredite ersetzt wurden. Das zeigt, wie groß die Unterstützung nach wie vor ist. Aber auch das kann nicht in alle Zeiten fortgeschrieben werden.

Ich war letzte Woche auf einer Tagung zu „25 Jahre Gutshäuser und Schlösser in Mecklenburg-Vorpommern“ und habe viele Berichte gehört von Menschen, die über Jahre mit hohem persönlichen Einsatz alte Häuser restauriert und wieder einer Funktion zugeführt haben. Es wurde deutlich wie viele Jahre es gerade für die Häuser im Hinterland der Küste brauchte, sie wirtschaftlich zu betreiben. Wir sind mit Gut Saunstorf - Ort der Stille dabei in einer vergleichsweise außergewöhnlichen Situation. Außergewöhnlich aufgrund dieser einzigartigen Konstellation: Ein Lehrer mit seiner Gemeinschaft, der an einem außergewöhnlichen Platz die ewige Philosophie lehrt und ein offenes Haus, das jeden Menschen einlädt die Stille zu erfahren.

Jürgen Stöhr, 2015
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