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Erfahrungsberichte von Teilnehmerinnen des Silent Love Schweige-Retreats 2016

Silent Love Schweige-Retreats 2016


Nur das. Nur jetzt. Präsent. Im Tun ein Nicht-Tun.

von Yasmine Prölß

Der erste Sichtkontakt mit Gut Saunstorf -wie immer- verbunden mit einem tiefen Durchatmen, dem Gefühl des Ankommens. Herzfreude.

Zu Beginn lasse ich mich von Aufregung durch Begrüßungen, der bevorstehenden Aufgaben einer Karma Yoga-Gruppenleitung sowie eine Anfrage nach Übersetzungen sehr ins Außen ziehen und begegne vielgestaltigen Vorstellungen und Ängsten. Schlage mich -zunächst von mir unbemerkt- mit Masken und Kostümen durch, um Verwirrung und Hilflosigkeit nicht spüren zu müssen. Erst als ich mich nach innen wende, kann ich mir die Erlaubnis geben, auf meine Art anzukommen, ohne mich verstecken oder etwas tun zu müssen.  Es wird still. Es ist, als ob die Kraft der Göttlichen Mutter wirkt, von der OM später im Retreat sprechen wird, die es erlaubt, nach Hause einzukehren und die einen dort in Empfang nimmt.

Die mir im Rahmen des Retreats zugedachten Aufgaben erscheinen mir eine große Herausforderung und bringen mich in Kontakt mit Gefühlen der Unzulänglichkeit, dem Wunsch, nach außen hin ein bestimmtes Bild von mir zu geben und aber auch der Sehnsucht danach, einfach nur in Ruhe (!) und unbehelligt irgendwelcher Aufträge von außen im Retreat sein zu wollen. Es ist für mich eine große Übung des Immer-Nur-Hier- Und-Im-Innen-Bleibens. Kein Wegrennen, kein Abheben oder Sich-Vergraben. Nur das. Nur jetzt. Präsent. Im Tun ein Nicht-Tun. Und wahnsinnig heilsam: das Loslassen von Vorstellungen. Das Außen ist am Ende gar nicht mehr so wichtig, es fließt von allein.

Das Betreten des Dunkelraums hat etwas Feierliches: wir werden in Stille einzeln in Begleitung in den dunklen Raum geführt und es ist ein spannender Moment, als sich die Tür für eine Stunde schließt und wir absoluter Dunkelheit überlassen sind, die auch im Laufe der Stunde nicht um ein Quäntchen weicht.

Während des Darshans mit OM im Dunkelraum darf ich zum ersten Mal in einer noch nie da gewesenen Klarheit zusehen, wie der Geist entscheidet, welche Gedanken und Gefühle den Raum betreten sollen, hier in Bezug auf die Dunkelheit, die ich zunächst als wohltuend, dann als beängstigend erlebe. Als ich dem Geist langsam auf die Spur komme, macht sich Müdigkeit breit und ich bin die restliche Zeit damit beschäftigt, gegen den Schlaf anzukämpfen. Ein Sieg des Geistes. 

Es berührt mich immer wieder sehr tief, wie OM uns mit nicht endender Kraft ermutigt, die Hindernisse auf  dem Weg zum Selbst ohne Unterlass zu erforschen, ganz nah an sie heranzugehen und darunter zu schauen, wie unüberwindlich und gefährlich sie uns auch immer erscheinen mögen.

Die Stille während dieser Zeit fühlt sich wie das Ankommen in einem natürlichen Zustand an, der Langsamkeit und Feinheit und dadurch klares Sehen und Vertiefung ermöglicht.

Am Abend des vorletzten Tages verkündet OM das offizielle Ende des Schweigens. Nicht ohne uns darauf hinzuweisen, in Bewusstheit anwesend zu bleiben und genau zu schauen, wie wir aus dem Schweigen gehen. Am nächsten Morgen habe ich das „Glück“, verspätet mitten in die Frühstückszeit in den Speisesaal zu kommen.  Für  Momente darf ich Zeugin sein, mit welcher Vehemenz und Schnelligkeit der Geist die Herrschaft wieder an sich reißt, so dass Langsamkeit und Achtsamkeit der vorhergehenden Tage nun hektischer Getriebenheit und lärmender Unachtsamkeit gewichen sind.

Ich verlasse den äußeren Ort der Stille mit großer Dankbarkeit. Aber auch mit Ernüchterung und einer Ahnung, was es wirklich bedeutet und welcher Entschlossenheit es bedarf, auf dem inneren Weg dem Sog der äußeren Welt zu widerstehen und dem inneren Wunsch treu zu bleiben.

Silent Love Schweige-Retreats 2016


Stille!

von  Maria Priebe-Schaefer

Aus dem Alltag kommend, schnelle Taktung und maschinelles Funktionieren, komme ich in Saunstorf an. Auch hier gibt es allerhand zu tun: Organisieren von Karma Yoga-Gruppen, Einweisung seiner Karma Yoga-Arbeit, Aufbauen von Stellwänden, Vorbereiten des großen Saals für die Darshans, Einrichten des Zimmers und dann: Stille

Ich stehe in einem Raum und spüre, wie mein Körper vibriert und etwas tun möchte. Mein Geist will mich immer wieder antreiben zu funktionieren. Immer wieder dieser Sog, mich abzulenken. Doch es gibt nichts zu tun!

Jeder wurde beim Karma Yoga, oder einfach nur im Dasein, mit seinen Themen konfrontiert, die für Ihn wichtig waren. Ich war diesmal für die Versorgung von OM eingeteilt. Es war für mich einerseits ein Geschenk, dem Lehrer so nahe zu sein, andererseits  wäre ich am liebsten weggelaufen. Nach drei Tagen mit verkrampften und verstopften Kanälen, konnte ich spüren wie im Darshan sich etwas zu lösen begann, mein Herz sich weitete und ich das Gefühl hatte, Liebe verströmt durch den ganzen Raum und nimmt alles ein. Ab diesem Zeitpunkt konnte ich tiefer sehen, das innere Forschen konnte beginnen. Es war, als seien die Kanäle geputzt und tief im Inneren berührt worden.

In  OM´s liebevollen und klaren, aber auch schonungslosen, direkten Worten, dem Hochzeitssegen, der Namensänderung oder wenn OM den Menschen, die in Not waren die Hände auflegte, lag ein tiefes Wissen, dass hier die Wahrheit gesprochen wurde und ein Fluss von Liebe, der niemals enden wollte.

Ich bin unglaublich dankbar, diese Erfahrung gemacht zu haben.

Silent Love Schweige-Retreats 2016


Vom äußeren zum inneren Schweigen

von Christine Ritter

Als Isabell mich bat, einen Erfahrungsbericht zum Silent-Love-Retreat zu schreiben, tauchte zunächst eine starke innere Abwehr auf: das kann ich nicht, die anderen schreiben viel besser als ich; ich habe doch gar nichts mitzuteilen usw..

Still damit zu bleiben, den Neid und das Vergleichen tiefer fallen zu lassen, hat mich vom Retreat bis in meinen Alltag begleitet. 

Und in mir tauchte die gesamte Welt der Ansprüche, meiner eigenen Ansprüche mit allen Facetten auf. Ich war wie gelähmt, unfähig auch nur einen klaren Gedanken zu fassen. Dieses Mal konnte ich innerlich schweigen und mein eigens kreiertes Verhinderungsmanöver betrachten. Nichts musste gesagt werden, nichts getan werden.

In einem weiteren Telefongespräch, zwei Tage später, erwähnte Isabell, wie nebenbei, diese Anspruchswelt des Enneagrammtyps Vier. Und in mir war es ruhig und klar. Ich wollte diese Herausforderung annehmen und ihr nicht mehr im Wege stehen.

Das äußere Schweigen im Retreat hat mir einen tieferen lebendigeren Zugang zu meinem inneren Schweigen erschlossen.

Erfahrungsberichte von Teilnehmerinnen des Silent Love Schweige-Retreats 2016
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