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Retreat in Indien 2018: Erfahrungen und Einblicke

Vom 13.-25.02.2018  fand nach drei Jahren wieder das Indien-Retreat mit OM C. Parkin in Mahabaleshwar statt. Die Menschen konnten im Mutterland des Advaita Vedanta Darshan auf tiefgründige und berührende Weise erleben. Im Folgenden einige Zeilen von OM, sowie Impressionen und Erfahrungsberichte von TeilnehmerInnen:


 

OM C. Parkin:

Indien ist „mein zweites Wohnzimmer“. Noch nie war es mir so deutlich, wie während dieses Retreats: Diese große Vertiefung der Heil – und Erkenntniskraft, die wertvolle Seelengabe, welche Indien für die spirituellen Menschen des Abendlandes bereithält, wenn sie dort Darshan nehmen. In ihrer innersten Essenz hat diese Kultur die advaita-Lehre hervorgebracht, unübertroffen einfach, direkt und zugleich brilliant in ihrer Art, auf die Eine Wahrheit zu deuten. In mir herrscht eine große Dankbarkeit, diese Lehre empfangen zu haben.

Indien Darshan

Eine neue, ganz feine Wahrnehmungsebene des Herzens tat sich auf
von Kicki von Michel:

Lange ersehnt und mit reichlich Verspätung landete ich in Mumbai um 03:00 früh und fand mich in einer endlosen Schlange vor 3 geöffneten E-Visa Schaltern wieder, an denen in gleichmütiger Langsamkeit die Menschen abgefertigt wurden. Als ich nach 2,5 Stunden das Ende der Zickzackschlange erreichte, teilten 4(!) freundlich lächelnde Zuordner die Menschen in faszinierender Willkür und ohne jegliches erkennbares System vor die bemannten Büdchen ein. Nur noch 5 Menschen vor mir, dann sollte ich, inzwischen reichlich müde, endlich dran sein. Als ich tatsächlich an der Reihe war, machte der zuständige Beamte freundlich winkend einfach dicht! Also wieder hinten anstellen und sich geduldig hingeben...

Indien

In Europa hätte mich spätestens hier die kalte Wut gepackt, aber irgendetwas ließ es mich hier gleichgültig entspannt hinnehmen. Endlich das Ziel erreicht, hatte ich es mit einem überaus freundlichen Immigrationsofficer zu tun, der mich gefühlt herzlich willkommen hieß. Eine Seltenheit bei Staatsdienern und in der Welt überhaupt. 
Ich erzähle dieses erste Erlebnis so ausführlich, weil Indien sich in seiner Strukturlosigkeit, seiner Willkür, seiner Langsamkeit, vor allem aber auch in seiner Herzlichkeit, Wärme und Entspanntheit nicht treffender charakterisieren lässt. No system in the madness, but flow. Will heißen, in dem ganzen Chaos ist nirgendwo eine zielgerichtete Logik zu erkennen, aber es fließt und führt meist ganz anders als erwartet zum Ziel. Kreativ eben. Der Verkehr ist ein reines Wunder und demonstriert die komplette Resistenz der Inder gegen jeden Versuch von Regulierung einmal mehr. Verrostete Schilder am Straßenrand bitten darum, die Fahrbahnen zu respektieren - kein einziger hält sich daran. Für einen Europäer zunächst äußerst verwirrend, wäre da nicht dieser unterschwellige Sog der Hingabe an das, was nun mal ist. 
Indien, die Wiege der Spiritualität, die große Mutter, die schützend ihre Arme ausbreitet und uns liebevoll an die warme Brust drückt. Die Strukturlosigkeit im Außen ließ mich ohne den gewohnten Halt vieler Regulierungen und Ordnungen stetig und sanft ins Innere gleiten. Einlassen wird hier zur Selbstverständlichkeit, wo sonst Misstrauen, Zweifel und Rechthaberei das Zepter schwingen.

Zwar hatte ich mich gefreut, den Darshan mit OM zum Anlass einer Reise nach Indien nehmen zu können, wunderte mich aber insgeheim, wozu der ganze Aufwand des langen Fluges gut sein sollte. Mir fehlte eben die direkte Erfahrung, die lediglich im Erspüren dieses Landes möglich ist.
Getragen von den Seelenklängen und Mantras des wunderbaren Manish Vyas und seinen Musikern, die das verhärtete Herz sanft mit ihren Mantras aufweichten und den gesamten Raum zu Tränen rührten, war ich nach dem ersten stillen Darshan in OMs Präsenz in einer Weise berührt, die mir völlig neu war.

Manish Vyas und Band

Mit oder ohne Worte sprachen hier durch OM die Qualitäten der großen Mutter, selten habe ich durch ihn soviel Fürsorge wahrnehmen können. Diese weibliche Schwingung verhalf mir paradoxerweise in einem der stillen Darshans zu einer liebevollen inneren Vereinigung mit dem Geiste meines Vaters. Eines der vielen Geschenke, die mir in der Innerlichkeit der indischen Matrix zuteil wurden. Eine neue, ganz feine Wahrnehmungsebene des Herzens tat sich auf und damit eine Palette von subtilen Möglichkeiten, die zuvor jenseits des Absoluten lagen. Ebenso zart wie scheu und sich augenblicklich wieder verschließend, wenn ich den kurzen Augenblick des Nicht Eingreifens durch den Versuch des Festhaltens wieder zunichte mache. Irrtümlicherweise ging ich davon aus, dass auch die unpersönliche Präsenz von OM ganz in das Indische Prinzip eingetaucht sei, da ich seine Gegenwart erstmalig liebevoll mütterlich empfand. Der strenge Vater des Nordens war dennoch mitgereist, er tauchte vornehmlich bei fortgeschrittenen Schülern auf, die dies zu nehmen wussten. Linke und rechte Hand Gottes, konzeptlos ausgewogen im unbeirrbaren Dienste des Einen und der Wahrheit. Meine tiefste Dankbarkeit gilt dem Lehrer, der mich in endloser Geduld und Hingabe an die Verbindlichkeit gegenüber dem Selbst erinnert.
Viele Seelentränen geweint, aber auch viel gelacht. Humor war mein heiterer Begleiter durch die Andersartigkeiten des indischen Alltags. So ging ich stets mit einem Schmunzeln ins Bett, nachdem ich die wirr verkabelten und äußerst zahlreichen Lichtschalter (in meinem sehr überschaubaren Zimmer zählte ich 25) alle durchhatte, um ins Dunkel der Nacht abtauchen zu können.

Namaste - India, I want to see more and I will be back! 

Indien Impressionen

 

Indien, die große Mutter
von Hanna 

Mir fehlen klar die Worte, um genau zu beschreiben, was Indien und das Retreat, als „i“-Tüpfelchen meiner 4-monatigen Indienreise, mit mir gemacht haben. Es war ein großes Geschenk in die spirituelle Matrix Indiens einzutauchen und den Lehren des wahren Gurus im Retreat und anderswo zu lauschen. Während meiner Reise fühlte ich mich immer wieder so beschenkt, neue Erfahrungen und Erkenntnisse über meine falsche und meine wahre Natur zu machen. Indien, als die große Mutter, gab mir die Erlaubnis alles sichtbar zu machen. In jedem Moment war ich eingeladen hinzuschauen, im Innen als auch im Außen.

In Indien wurde das sichtbar, was in Deutschland versteckt wird und in Indien wurde mir erstmals wirklich bewusst, wie ich mit Misstrauen, Zweifel und Ignoranz voll bin. Die deutsche Denkweise konnte ich in mir stark wahrnehmen. Das zog sich durch meine Reise, ganz unterschwellig, innerlich versteckt fort. Doch immer mit der Annahme, dass der Feind im außen steckt. Eine Masche, die mich schon mein ganzes Leben lang begleitet.

Indien Darshan OM

Erst im Retreat mit OM in Mahabaleshwar fand eine entscheidende 180 Grad Drehung statt. In der Retreatzeit durfte ich OM täglich mit dem Mittagsessen versorgen. Ein großes Geschenk für mich dem Lehrer im Außen nahe zu kommen. In mir jubelte ein Kind: Vorfreude, Neugierde, Berührung, Dankbarkeit. Eine Aufgabe, der ich nicht ausweichen konnte. Eine Aufgabe, die unangenehme Gefühle nach sich zogen, da es immer eine neue, unbekannte Aufgabe war, auch wenn es äußerlich nicht so erschien. Der Eigenwille war immer mit dabei, verursachte Bauchschmerzen und Angst und ich war ganz einfach bei mir und habe mich in jeder Sekunde darin begleitet. Ich war einfach voll für mich da und es war kraftvoll. Einen unbequemen Weg gehen, davon sprach OM zu mir, bin ich bereit dafür? Ja, denn alleine diese scheinbar „kleine“ Aufgabe hat mich gelehrt, wie heilsam es ist den unbequemen Weg zu gehen. Denn eigentlich sehnt es mich nach neuen Handlungsweisen und nicht nach alten Verweigerungsmustern! Es reicht nicht mehr aus einen Wunsch auszusprechen, die Handlung muss direkt folgen. Für mein Innerstes!

Während dieser Zeit wurde mir sehr schnell endlich klar, dass der Feind nicht im Außen ist, ganz im Gegenteil. Es ist meine Egowelt und es erfüllte mich mit Erleichterung zu erkennen, dass ich OM und die Sangha brauche, um diese innere Welt vollständig sichtbar machen zu können. Es war sehr heilsam, das so klar zu sehen. Doch dafür muss ich mich zeigen, dafür muss ich handeln, immer und immer wieder. Wie lange will ich warten? Indien steht für mich repräsentativ für eine Mutter, die mir die beste und wirklich vertrauensvollste Erlaubnis gibt genau genau dies zu tun: mich sichtbar machen und handeln!

OM und Menschen

Es fühlt sich an wie zuhause ankommen…
von Tim Lücke

Indien hat all meine Sinne berührt. Mal zart mal grob, schrill und laut, ungewohnt anders, immer jedoch neu.
Indien riecht und schmeckt anders. Indien klingt anders, sieht anders aus und fühlt sich ungewohnt an.
Es ist staubig und schmutzig, gleichzeitig blütenfrisch und schön!

Nach 7 Tagen an einem Strand in Goa, kam ich zusammen mit Katja und Sohn Jan frühmorgens in Mahabaleshwar an.
Die winterliche Erkältung durch intensive Spülgänge mit Salzwasser des Indischen Ozeans weitestgehend kuriert, nun der persönliche Tapetenwechsel im Brightland Hotel und Spa.
Nach langer Fahrt im Nachtbus, empfing uns nach dem Hotelportier, die kühle Bergluft auf über 1300 Metern Höhe.

Erster Tag, erster Abenddarshan mit OM. Schweigen, Stille. Hart für meine im Außen orientierten Sinne.
Am Donnerstag der erste Morgendarshan mit Manish Vyas und seinen Musikern.
Die Musik dringt tief in mich ein und trifft genau in der Mitte. Es fühlt sich an wie zuhause ankommen, wie das Zurückkehren von einer langen Reise.
Es berührt mich ganz weit Innen, im Herzen. Die Sinnestentakeln ziehen sich sofort zurück, es beginnt ein fasziniertes Lauschen.

Wow, was für eine Kraft!

Indien Musik Manish Vyas und Band

Lange und mindestens drei Stücke lang fließen einfach nur Tränen. Es wird still in mir, ich fühle eine große Dankbarkeit aufsteigen.
Dankbarkeit dafür, an diesem Ort sein zu dürfen. Mit der Musik, mit OM, mit den Weggefährten. Was für ein unerwarteter und überraschender Auftakt!
Viele Darshans und Wahrheiten später. Nach zahlreichen Reisestunden zurück im eiskalten, klaren (-12°C) Norden, wirkt Indien nach. Im Innen. Herzenswärme, die warm hält, klares Sehen gegen den Nebel, transparent liegt vor mir, was es zu tun gibt.

 „Komme ins Handeln“ sagt meine innere Stimme.

Ich spüre eine Offenheit für Neues, eine Lust weiterzugehen. Vor allem auch der Wunsch, immer wieder in mein Herz zurückzukehren, dort zu schauen und zu forschen.

Danke Indien, Danke OM!
 

Gruppenbild Indien

Klosterbrief April 2018
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