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Silent Love Schweige-Retreat 2015

Das Silent Love Schweige-Retreat im Juli auf Gut Saunstorf – Ort der Stille war für viele Menschen eine intensive Zeit des Schweigens, Erforschens, Sinkens und Eintauchens in die Stille. Mit ihren Erfahrungsberichten geben uns hier zwei Retreat - Teilnehmer Einblick in ihre Erfahrungen und Erkenntnisse…


Silent Love Schweige-Retreat 2015

Was für ein Geschenk

Als ich am ersten Tag in Saunstorf ankam, wurde mir einmal mehr bewusst, welch ein großes „Paket“ an Gedanken, Ideen und Konzepten ich in meinem Alltag herumschleppe, welchem ich immer wieder im Außen begegne auf die eine oder andere Weise. Dieses „Gedanken-Paket“ ist sehr laut und damit vermeide ich innere Ruhe und den direkten Kontakt zu Menschen. In den ersten Tagen wurde mir erneut bewusst, dass in mir die meiste Zeit ein Jemand anwesend ist, der alles zu wissen scheint und der vorgibt, die Vergangenheit, den Moment und die Zukunft zu kennen. Ständig denkt dieser Jemand mit, unter großer Anstrengung, Kampf und Krampf oder versucht es zumindest. Nach den ersten Begegnungen mit OM hatte sich dieser Teil in mir jedoch immer weiter beruhigt, er wurde stiller. So hatte ich das Gefühl, ich konnte zum ersten Mal wirklich hören, was OM uns sagt.

Das erste was mich sehr traf, war OM`s Aussage, dass viele Menschen immer nur ihren eigenen Geist sehen. Sie sehen keine anderen Menschen und sind nicht in Kontakt mit ihnen. Sie sehen nur ihren eigenen Geist (ihre eigenen Konzepte und Ideen) und wissen es meistens nicht. Das habe ich bei mir überprüft und konnte das bestätigen. Dieser Jemand in mir projiziert ständig Teile von sich selbst ins Außen und glaubt dann, das sind „die Anderen“. Diese Erkenntnis verlangsamte mich (meine Aufmerksamkeit) während dem Retreat und ich begann, so bewusst wie es mir möglich war zu studieren, was ich in anderen Menschen sah. Dabei konnte ich einige Eigenschaften dieses Jemand bezeugen, meines inneren Gegners: Er arbeitet äußerst subtil, mit hoher Geschwindigkeit und wie hinter einem Schleier. Er besitzt aber auch die Möglichkeit zu einer (inneren) künstlichen Verlangsamung, sollte ihm das Leben selbst zu schnell und unkontrollierbar und damit gefährlich werden. So schleudert er alle Teile, die nicht zu seinem Image passen, nach Außen und begutachtet sie dann misstrauisch oder auch mitleidig aus der Ferne. In den Tagen nach diesem Erkennen wurde die Lautstärke in mir immer geringer und ich geriet in einen ruhigen, entspannten Zustand. Egal mit wem OM sprach, ich konnte immer besser und genauer sehen, was dieser Dialog mit mir zu tun hatte. Die Distanz zwischen mir und anderen Menschen nahm ab. Das Herausarbeiten, was ich in anderen Menschen sehe, um diese Konzepte dann genau anzuschauen und zu überprüfen, zu studieren, war und ist für mich unheimlich wichtig. Mir viel auf, dass ich gar nicht wirklich zu anderen Menschen spreche. Ich habe ausgehend von einem Konzept meines Geistes (von dem ich glaube: Das bin Ich) zu einem anderen Konzept meines Geistes gesprochen (von dem ich glaube: Das ist der Andere). Ein wirklicher Kontakt, eine echte Berührung oder eine intensive Nähe zu anderen Menschen und letztendlich zu mir selbst, ist so nicht möglich. Ich fuhr also fort, sehr langsam zu werden und genau hinzusehen, wenn der Geist in mir aufsprang und mit dem Finger nach Außen deutete um zu sagen: „Da! Da ist er ja, der Eine, der ist ja immer so und den kenne ich. Wusste ich es doch!“ Es half mir sehr, mich dann zu fragen: Was ist denn eigentlich der Andere genau für mich? oder Was genau sehe ich denn in ihm, was mich so in Aufruhr versetzt, was ist das denn? Das habe ich mir dann angesehen und nachgeforscht. Das erste Nachaußendeuten meines Geistes war oft sehr grob und unscharf. Trotzdem war es mir immer wieder möglich, diesen inneren Aufruhr zu nützen, um tiefer in mich zu sinken und dort zu überprüfen, ob das, was ich im Anderen sehe, tatsächlich Außen ist oder ob es doch etwas mit mir zu tun hat. Das stille Zusammensein mit OM, der Rahmen des Retreats auf Gut Saunstorf und alle anwesenden Menschen haben mich dabei unterstützt.

In den weiteren Tagen des Retreats gab mein Geist immer mehr auf, er konnte nicht mehr so mitdenken, mitkämpfen, mitreden oder sich beschäftigen und bestätigen, wie er das gewohnt war. Die innere und äußere Langsamkeit und Stille während des Retreats und vor allem das Zusammensein mit OM ließen ihn immer mehr zu Ruhe kommen. Obendrein gab es auch nicht viel zu tun – außer vielleicht zu hören und zu prüfen. Mehrere Tage gingen vorbei, während derer ich OM Fragen stellen und mit ihm in Kontakt sein konnte. Für mich ging es darum zu erkennen, dass ich meine Verbindlichkeit vor allem einem Teil in mir schenke, der sich als Opfer sieht. OM wies mich darauf hin und so konnte ich überhaupt erst sehen, dass dies so ist. Bis dahin dachte ich, ich bin ein ausschließlich „unverbindlicher Typ“. Weitere Dialoge folgten und so konnte ich immer tiefer in mich hineinsehen. Dabei gab es in mir Gefühle wie Angst, Wut oder Unbehaglichkeit. Andere Male war es spannend, interessant und erstaunlich und ich konnte Freude spüren. Ich grabschte nicht wie sonst nach all diesen Zuständen, sondern ließ sie öfter und früher wieder los, um sie wieder sinken zu lassen.

An einem Abend traf mich die nächste für mich wesentliche Erkenntnis: All diese Konzepte, Ideen und Gedanken über mich und über andere Menschen müssen gehen. Genauer gesagt müssen sie sterben – alle. Das traf mich wie aus heiterem Himmel. Zunächst stieg eine große Erregung in mir auf, vor der ich dann Angst bekam. Gleichzeitig wurde mir klar, dass das der Weg ist. Ein weiterer Aspekt meines inneren Gegners wurde dabei für mich sichtbar: Er erledigt gerne Dinge. Er hat eine ausgesprochen lange „ToDo-Liste“, die er gerne noch vor seinem Tod abarbeiten möchte… und dann ist er vielleicht bereit, sich hinzugeben und zu sterben. Aber davor, so sagt der Geist in mir, möchte er das alles vorbereiten und sein Leben nett gestalten, es verschönern, Vieles erschaffen, sich diese und jene Eigenschaft erarbeiten, so und so aussehen, in diesem Job erfolgreich sein und dann, dann irgendwann in der Zukunft, kann er sich dem Tod hingeben. Über das „Wann“ glaubt er entscheiden zu können, zumindest macht er sich das vor. Trotzdem wurde mir klar, dass ich das alles zurücklassen muss. Ich kann nichts mit über den Fluss nehmen. Das zu sehen und dem Thema Tod auf diese Weise nahe zu kommen, machte mir Angst und gleichzeitig stieg eine große Traurigkeit auf… „Ich möchte doch noch so viel erledigen“. Das alles stieg in mir in diesem Moment auf. Seit dem Retreat ist das mein Anker, an den ich mich immer wieder erinnere, wenn das innere Paket groß, schwer und übermächtig zu werden scheint. Es hilft mir, mich nicht zu sehr in der äußeren Welt zu verlieren und zu vergessen und so kann ich wieder zurück zum Wesentlichen finden. Das ist also meine große Erkenntnis des Retreats:
Wenn ich eine vollständig neue Erfahrung machen möchte, wenn ich anderen Menschen wirklich nahe kommen möchte,  müssen alle Konzepte über mich und andere Menschen an denen ich festhalte, sterben.  
Für das Erkennen des für mich Wesentlichen schafft so ein Retreat auf Gut Saunstorf die besten Voraussetzungen. Ich spüre einfach eine große Dankbarkeit, an so einem Ort sein zu dürfen. Mir wird es mit jedem Mal leichter um mein Herz. Was für ein Geschenk!

Danke!
In Liebe,
Tim

Silent Love Schweige-Retreat 2015


Meine Erfahrung im Silent Love Schweige-Retreat

Ankommen. Im Foyer des Hauses summt es wie im Bienenstock. Gäste treffen ein. Erwartungsvolle Spannung liegt in der Luft. Ich bin gespannt: wo werde ich schlafen? Mit wem teile ich das Zimmer? Welche Karma Yoga Aufgabe wartet auf mich? Es ist schön, vertraute Weggefährten wieder zu sehen. Ich freue mich auf die kommenden Tage mit ihrer Struktur, auf das Schweigen, auf den geschützten Raum, in dem ich mich ganz mir selbst widmen kann. Nach dem Einchecken den Ort begrüßen: Durch die Flure und Räume des Hauses wandern, durch den Park. Entdecken, was es Neues gibt, sehen dürfen, wie der Ort wächst und gedeiht.

Am Abend der erste Darshan des Retreats. Er findet in vollkommenem Schweigen statt. Für meinen Geist schwer zu nehmen. Er kämpft. Darunter aber gibt es Ein-zur-Ruhe-Kommen und tiefer Fallen. Auch der Dunkel-Darshan am nächsten Vormittag ist intensiv. Ich fühle mich unsicher, als hätte ich plötzlich eine Schutzschicht verloren. Ich benutze die Augen also auch dazu, Distanz und Sicherheit zu schaffen.

Jeden Morgen und Abend findet Darshan statt – wie schön! Alles, was gesprochen wird, berührt mich. Auf einer tieferen Ebene wird mühelos verstanden, was der Geist so angestrengt versucht, sich zu merken. Ich fühle, wie sich das Herz mehr und mehr öffnet.

Das Karma Yoga trägt zu diesem Prozess bei. Ich erlebe die Zusammenarbeit mit anderen als achtsam, bewusst und nah, als Unterstützung, mir selbst nahe zu sein. Auch das Schweigen unterstützt, lässt Raum, entspannt. Und dann ist da noch die Klarheit und Nüchternheit in der Inneren Arbeit mit Ulrike. Sie schließt mich immer wieder an einen Kraftstrom an.

Tagsüber gibt es viel freie Zeit, in der nichts zu tun ist – einfach nur sein, an diesem schönen Ort sein. Wie schwer das manchmal zu nehmen ist. „Jetzt tu doch mal was Produktives“, sagt mein Geist, als hätte ich nur dann das Recht, hier zu sein.

Dann wieder kommt Staunen, dass ich hier sein darf, mit einem Lehrer sein darf... Was für ein Wunder!             

Am Ende des Retreats bedaure ich es fast, dass das Schweigen aufgehoben ist. Ich möchte achtsam damit umgehen. Beschenkt, genährt und mit viel Stille im Herzen fahre ich nach Hause.

Doris

 

Berichte zum Silent Love Schweigeretreat, 2015
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