Mediathek filtern nach

/

Vom Hotel zum modernen Kloster

Um unseren Verlag advaitaMedia zu unterstützen, beauftragten wir Ende 2015 die „Kombüse“- das Kommunikationsbüro für Social Entrepreneurship. Die Geschäftsführer Hauke Brekenfeld aus Berlin und Thomas Friemel aus Hamburg kamen nach Gut Saunstorf, zeigten schon in der ersten Sitzung die Schwachstellen unserer Außendarstellung und begleiteten uns das Jahr über bei einem Wandlungsprozess, der weit über den Verlag hinaus als Weg „vom Gutshaus zum Kloster“ beschrieben werden kann. Nochmals vielen Dank an dieser Stelle für die professionelle, nahe und einfühlsame Unterstützung. Im folgenden Artikel berichten sie aus ihrer Sicht diese Zusammenarbeit:

kombuese-1.png

Hauke Brekenfeld
(Geschäftsführer)

kombuese-2.png

Thomas Friemel 
(Geschäftsführer)

September 2015: Schlosshotel Saunstorf

Ein Spätsommertag 2015. Michael Gleich, Journalist und Mitglied der Guts-Gemeinschaft, hat uns nach Saunstorf eingeladen: Ob wir bei der besseren Vermarktung des Verlages helfen können? Mal sehen – im wahrsten Sinne. Doch bevor wir uns auf den Weg machen, kratzen wir die ersten Informationen aus dem Netz zusammen: Hotel, Wirkungsbereich des spirituellen Lehrers OM C. Parkin, Schule, Seminarhaus, der Verlag. Wir verstehen vieles, aber nicht alles. Also Hotelzimmer auf dem Gut gebucht und auf zur Konferenz „Verlorene Autorität“, um selbst zu erleben, was wir gelesen haben.

Denn eines ist schnell klar: Hier ist es nicht damit getan, sich zu einem Auftaktgespräch – wie sonst bei unseren Kunden – für ein paar Stunden an einen Tisch zu hocken, Fragen zu stellen und über Antworten zu diskutieren. Hier müssen wir näher ran, Dinge erspüren, tief hinein in die Strahlkraft des Lehrers und des Orts. Das ist neu für uns. Üblicherweise arbeiten wir für Sozialunternehmer, für die ökosoziale Wirtschaft, für Stiftungen und Einrichtungen der Wohlfahrt. Aber eine spirituelle Gemeinschaft beraten? Selbst wenn wir beide eigene Erfahrungen mitbringen, so betreten wir doch Neuland.

Jeder Eindruck ist neu: grüngesäumte Auffahrt, ein Haus wie ein Statement, schlossartige Freitreppe, ein Park wie aus einem Rosamunde-Pilcher-Film. Wir treten ein. Schuhe ausziehen, einatmen, Stille – die Aufregung bleibt außen. Eine besondere Atmosphäre legt sich über uns. Heiligkeit? In jedem Fall spüren wir Ehrfurcht und bewegen uns flüsternd und schleichend.

OM C. Parkin spricht auf der Konferenz über das deutsche Sechser-Kollektiv in Neuner-Hand – Enneagramm-Arbeit für Fortgeschrittene. Einer von uns beiden kann folgen, der andere ist nach wenigen Minuten abgehängt. Aber das macht nichts. Die Intensität der Gemeinschaft ist hier lebendig, die Ernsthaftig- und Leichtigkeit. Danach ein kurzes Treffen mit OM, in dem wir die spirituelle Autorität erspüren können. Spaziergang mit Regenbogen an der Ostsee und zurück ins Gutshotel zur abendlichen Einkehr: einsames Essen im Speisesaal, Rückzug aufs Zimmer, Ruhe, Stille, Frieden. Es dämmert die Erkenntnis: Das hier ist kein Hotel.

Dezember 2015: Das Pferd von hinten

Zwei Monate später. Wir wurden gebeten, unseren Eindruck zur Kommunikation von Gut Saunstorf und vor allem advaitaMedia in einem kurzen Workshop aufzuzeigen und zu diskutieren. Wir schauen in eine große Runde interessierter Gesichter. Wie immer sagen wir, was wir wahrnehmen: Dass das, was die Kommunikation darstellt, nicht dem entspricht, was wir hier vorfinden. Dass das, was dort gesagt wird, vielleicht nicht das ist, was die Menschen hier tatsächlich spüren. Dass es um die innere Struktur geht und nicht um die äußere. Dass der Verlag nur ein Symptom dessen ist. Und dass es wenig Sinn macht, dort anzufangen.

Ein dicker Brocken. Aus interessierten sind betroffene Gesichter geworden. Wir haben das Gefühl, mehr Fragezeichen als Antworten, mehr Depression als Aufbruchstimmung zu erzeugen. OM nimmt den Faden auf. Und zäumt das Pferd von vorne auf: Das Problem ist nicht (nur) der Verlag, sondern die Sichtweise auf das Projekt Saunstorf insgesamt. Ob wir mit unserem Blick von außen den Prozess zur Neu-Definition begleiten können? Können wir, sagen wir. Hoffen wir.

Januar 2016: Weißheit und Weisheit

Januar 2016, die ganze Landschaft ist weiß verschneit. Wir kommen zu einem gemeinsamen Workshop nach Saunstorf. Es geht ums Grundsätzliche: Was will die Gemeinschaft? Welche Werte liegen ihr zugrunde? Welche Elemente tragen wie dazu bei, und wie spielt alles zusammen? Wir fragen offen und lauschen gespannt. Die Weißheit der Natur scheint die Klarheit im Innern des Ortes zu fördern. Und legt für uns den Kern der Ewigen Philosophie frei, um den sich alles dreht. Wie in einem Kloster.

Am Ende scheint sich ein Gerüst herauszubilden, zunächst nur grob erkennbar, aber da fügt sich etwas zusammen. Ein Plan entsteht und türmt Aufgabe auf Aufgabe. Der Wille, sie anzugehen, ist zu spüren. Wir haben das Gefühl, dass es bei allem Respekt davor, alte Baustellen wieder aufzureißen, befreiend für die Runde wirkt, sich noch einmal dem Grundsätzlichen zuzuwenden – und diesmal konsequent daran auszurichten.

März 2016: Wir bauen ein Haus

Im Frühjahr 2016 ein Treffen in Hamburg. Es herrscht Arbeitsatmosphäre, schließlich bauen wir an nichts Geringerem als an einem Haus, mehr als das, an einem modernen Kloster. Die Idee des Klosters ist spürbar mehr als ein Gedankenkonstrukt. Es ist das Gefühl, dass hier alles zusammenkommt, seine Richtigkeit hat. Gemeinsam dringen wir zum Kern vor und beschreiben seine Struktur: die Lehre der Ewigen Philosophie, die Rolle des Weisheitslehrers, der Schule, der Schüler und Gemeinschaft, den Ort und seine Funktion. Und plötzlich ist sie da, die Aufbruchstimmung, der freudige, der klare Blick nach vorne. Das Haus hat Wände, Räume, Leben – und bleibt doch still.

Juni 2016: Willkommen im Kloster

Es ist wieder Sommer in Saunstorf. In großer Runde sitzen wir im ersten Stock des Gutshauses. Wir stellen vor, wie wir das moderne Kloster Gut Saunstorf, den Weisheitslehrer OM C. Parkin, die Enneallionce Schule der Inneren Arbeit und die Große Sangha im vergangenen Jahr erlebt und verstanden haben. Wie sich die Geschichte erzählen lässt. Wir lesen vor, halten inne, und vor dem inneren Auge ergibt sich ein komplettes Bild. Stille. Wir blicken in die Runde und sehen Gesichter, die angekommen zu sein scheinen in einem neuen Zuhause: Gut Saunstorf – Ort der Stille. Das moderne Kloster.

Habt herzlichen Dank, dass wir Euch auf diesem Weg begleiten durften.

Thomas und Hauke
(www.kombuese.org)

btb-1612-kombuese-logo.png

Klosterbrief Dezember 2016
drucken nach oben
X