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Politik, Politiker und politische Parteien im Lichte der Evolution des Bewusstseins

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Interview mit OM C. Parkin


Das Ich eines Menschen beschreibt einen subjektiven und damit begrenzten Standpunkt. Die Sicht auf sich selbst und die Welt wird verzerrt durch diesen subjektiven Filter, so dass die eigene Haltung, Handlung und Entscheidung nur bedingt dem großen Ganzen dienen kann. Wäre der Mensch willens und damit in der Lage, seiner eigenen Begrenztheit ins Auge zu sehen, entstünde eine Basis für Kommunikation, Verständigung und notwendige Lernprozesse. Doch jedes Ich neigt zur Verabsolutierung des eigenen Standpunktes – ein Phänomen, das auch im politischen Geschehen in Deutschland zu beobachten ist.

In diesem Interview mit dem Weisheitslehrer und Bewusstseinsforscher OM C. Parkin geht es nicht um politische Meinungsbildung; hier wird keine persönliche Einschätzung der politischen Lage in Deutschland und seiner Parteienlandschaft gegeben; und es wird nicht möglich sein, diese Informationen rein intellektuell aufzunehmen, zu verarbeiten und mit dem eigenen Standpunkt abzugleichen. Um dieses Interview lesen zu können, braucht es die oben erwähnte Ahnung von der eigenen Begrenztheit sowie eine Offenheit für eine Sicht, die im Mainstream aller politischen Diskussionen nicht vorkommt - weil sie nur einem inneren Menschen zugänglich ist.

OM C. Parkin nimmt eine Einordnung von politischen Geschehnissen und Parteien in die Gesetzmäßigkeiten der Bewusstseinsevolution vor. Er nutzt dafür objektive und für einen inneren Forscher nachvollziehbare Modelle wie das Enneagramm der Charakterfixierungen1 und spiral dynamics2. In den angefügten Fußnoten finden sich Literatur-Hinweise für vertieftes Lesen.

Frage: Zu Beginn möchte ich betonen, dass es in diesem Interview nicht um politische Meinungen oder Debatten geht. Es geht vielmehr um die Einordnung politischer Parteien und Politiker aus der Perspektive eines Weisheitslehrers und spirituellen Meisters – im Kontext der Bewusstseinsevolution und der inneren Lehren.

Ich möchte mit einer allgemeinen Frage beginnen. Im Film „Göttliche Technik“, den die OM-Stiftung Innere Wissenschaft gefördert hat, sagtest du an einer Stelle, dass die Mächtigen und Politiker, die die Welt regieren, im Grunde Kinder seien. Das war für viele Zuschauer ein prägender Moment. Kannst du das ausführen?

OM: Alle Menschen, die in diesem Leben nicht den Aufwand betreiben und sich jahrelanger Innerer Arbeit aussetzen, bleiben Kinder. Nicht nur Politiker, auch Wirtschaftslenker, höhere Beamte oder Generäle beim Militär. Die Kindlichkeit ihres Bewusstseinszustandes wird durch die systemische Rolle eines Pseudoerwachsenen, die durch sie gespielt wird, überdeckt. Ziehe dem best-angezogenen Vorsitzenden des Aufsichtsrates eines großen Konzerns seine Designerklamotten aus, setze ihn in ganz gewöhnlicher Kleidung in eine Gruppe der Inneren Arbeit, in der es zum Beispiel um die Tyrannei des inneren Kindes geht und du wirst sehen, wie seine Rolle in sich zusammenfällt. Ich sehe manchmal in der inneren Schule Menschen, die in der Gesellschaft höhere Positionen einnehmen, wie zum Beispiel Ärzte oder Psychotherapeuten und frage mich dann in solchen Momenten, wie diese Menschen eigentlich andere Menschen führen oder heilen können.
 
Aber diese Frage deckt auch nur Teile ihres Systems auf. Wenn davon gesprochen werden kann, dass ein Mensch im Grunde Kind geblieben ist, so ist das generell richtig, ist aber doch eine zu pauschale Aussage, weil die genauere Betrachtung des mannigfaltigen, menschlichen Systems erfordert, verschiedene Entwicklungsstrahlen voneinander zu unterscheiden. Es gibt beispielsweise sehr hohe Entwicklungsstrahlen, in denen Menschen spezielle Talente haben.

Am Ende kommen wir jedoch zu einer Aussage zurück, die ich in einem Vortrag über die Bewusstseinsevolution3 getätigt habe: Jeder Mensch ist nur so weit wie sein schwächster Entwicklungsstrahl. Dieser dominiert am Ende den evolutiven Zustand des gesamten Systems.

Könnte man dann sagen, dass Kriege und Machtkämpfe – wie wir sie heute erleben – im Grunde auf einer kindlichen Bewusstseinsstufe oder Kindlichkeit beruhen?

OM: Kriege sind Kriege unter Kindern. Kinder und damit das innere Kind, welches der denkende Geist ist, sind keineswegs nur harmlos. Bösartigkeit und niedere Triebkräfte sind Teil des kindlichen Schattens.

Dazu passt eine weitere Frage. Du hast in einem Vortrag von einer Politikerkaste gesprochen, die – unabhängig von Parteien – einem bestimmten Enneagrammtyp zuzuordnen ist. Du sagst, dass dieser Typ die gesamte politische Landschaft durchzieht. Wir sprechen hier von Punkt Neun des Enneagramms der Charakterfixierungen. Welche Konsequenzen hat das für Politik und Gesellschaft?

OM: Dass die Politikerkaste von einer bestimmten geistigen Struktur, wie sie im Enneagramm der Charakterfixierung als Punkt Neun4 aufgeschlüsselt wird, dominiert wird, das hat eine spezifische Form der Kindlichkeit zur Folge. In anderen Persönlichkeitsstrukturen werden andere Geschmacksrichtungen infantiler Zustände manifest.  Die Politikerkaste wird von einer geistigen Struktur beherrscht, die durch innere Konturlosigkeit geprägt ist. Das heißt, diese geistige Struktur an Punkt Neun ist auf eine sehr starke Weise verkindlicht, weil sie sich durch totale Veräußerlichung und durch einen Zustand, den ich auch „das Ausfließen der Seele“ nenne, im Laufe ihrer Evolution dem Prozess verweigert, den man in den inneren Lehren auch als das „Schleifen des Diamanten“ bezeichnet. Der Diamant bleibt roh und ungeschliffen, da an Punkt Neun der innere Einsatz, den es braucht, damit ein Mensch innerlich überhaupt wachsen kann, komplett vernachlässigt wird. Konturlosigkeit als Konsequenz ist ein Zustand, in dem es keine seelische Identität gibt und dementsprechend derjenige seine Identität ausschließlich durch von außen stammende Strukturen erfährt, mit denen sein Ich verschmilzt. Da sich diese Strukturen ständig wandeln und damit auch der Fluss der Bestätigung und der Anerkennung, der für diesen Typ mangels innerer Identität dringend notwendig ist, ist Punkt Neun als klassischer Wendehals bekannt. 

Du sagst, Politik wird zu großen Teilen von innerlich Konturlosen mit einer Neigung zum Opportunismus betrieben?

OM: Ja, diese generelle Tendenz kann so festgehalten werden. Ich schätze, dass bis zu 70% von Politikern eine Fixierung an Punkt Neun des Enneagramms haben. Da sie nie einen inneren Weg gegangen sind und das auch nicht für notwendig halten, besteht bei ihnen die Tendenz, die Konturen einer Masse, einer Gruppe von Menschen oder einer bestimmten Subgesellschaft (z.B. einer politischen Partei) anzunehmen und mit ihr zu verschmelzen. Sie vertreten dann Ideen, schlimmstenfalls Lügen, die sie einfach nachplappern.

Dazu gehört auch eine gewisse Passivität. Wir hatten mit Angela Merkel eine Kanzlerin mit dieser Konturlosigkeit und Anpassung und haben jetzt noch unter den Konsequenzen von Passivität oder Nichthandlung am Wesentlichen zu leiden.

OM: Ein Großteil der Schwierigkeiten, unter der aktuelle Regierungen zu leiden haben, stammt gar nicht aus aktueller Gegenwart. Die Kanzlerin Merkel (ein Ennea-Typ 9) gab den Deutschen ein entspanntes Wohlgefühl („Alles ist gut.“) und das ist ein klassisches Thema, das von dieser geistigen Struktur gepflegt wird, ein Zustand regressiver Behaglichkeit, der nur sehr oberflächlich als wirkliche Harmonie durchgeht. Im Grunde hat Deutschland unter dieser Kanzlerin viele Jahre tief geschlafen. Dass wirtschaftlich noch alles gut ging, war eine Täuschung, der es an vorausschauendem Handeln mangelte, für die Infrastruktur des Landes lässt sich das Gleiche sagen, für den Klimaschutz sowieso. Erst schläft man lange, bis krisenhafte Umstände zu einem reaktiven Handeln zwingen, welches im Grunde zu spät eintritt. Diese Schwierigkeiten müssen in dem tieferen geistigen Verständnis von Punkt Neun betrachtet werden. Wer Kenntnis über diese geistige Blase besitzt, der weiß auch, dass die von mir häufig zitierten „Frequenzverschiebungen“, mit denen diese Charakterfixierung zu tun hat, vereinfacht gesagt, einem Muster folgen: Er verzögert sehr lange in Untätigkeit, um dann in eine Phase starker und hektischer kompensatorischer Beschleunigung zu geraten, in der er versucht, aufzuholen, was er zuvor lange verschlafen hat. Diese geistige Tendenz betrifft also ca. 70% aller Politiker, gleichgültig, ob Mann oder Frau und unabhängig von der Parteienzugehörigkeit. Der Reifungsgrad des Einzelnen spielt natürlich eine entscheidende Rolle, aber Menschen, die keinen inneren Weg gehen, verteilen sich nur auf wenige, beieinanderliegende Bewusstseinsstufen innerhalb der Ersten Ordnung5. 

Ist das vor allem ein deutsches Phänomen? Ich frage mich, warum sich das gerade in Deutschland so stark zeigt.

OM: Das ist in Deutschland besonders stark, weil die geistige, kollektive Matrix dieses Landes eine sog. Angstfixierung hat – ein Ennea-Typ Sechs – genau genommen bewegt sich Deutschland auf der Linie Sechs – Neun von Nord nach Süd. Und der entspannte Tiefschlaf des Ennea-Typs Neun ist aus Sicht von Punkt Sechs6 ein Ruhekissen, auf dem der Angsterregte endlich glaubt, entspannen zu können. Der Unterschied zwischen Entspannung und betäubtem Schlaf kann erst von Schülern des inneren Weges zunehmend erfasst werden. Wirkliche Entspannung ist durch die Angst gegangen. Das gelingt selbst vielen Menschen des inneren Weges nicht und kann von einem einfachen Menschen ohne Anleitung ohnehin nicht erwartet werden.

Wirkliche innere Entspannung hat mit der Nähe zur Seele zu tun?

OM: Eine Tiefenentspannung des gesamten Systems reicht bis zur Seele, eine kompensatorische Entspannung, die der Betäubung dient, ist nur eine Symptomlinderung.

Kann man also sagen, dass wir in Jahren der Betäubung und des Schlafs waren, vielleicht noch sind?

OM: Die Merkel-Jahre bis in den Beginn der 20er Jahre hinein sind als eingeschläferte Republik hervorzuheben. Aber Kanzler Kohl hatte natürlich auch eine Neun.

Ich möchte das Thema noch einmal etwas ausweiten. Wenn man auf das aktuelle Weltgeschehen schaut, entsteht der Eindruck, dass die Politik zunehmend an Macht verliert, während andere Kräfte an Einfluss gewinnen. Gerade Tech-Milliardäre, große Unternehmen – insbesondere aus der digitalen Branche – und vor allem amerikanische Unternehmer verfügen heute über eine enorme Macht, die weit in Politik und Alltag hineinwirkt.
 Geht die Entwicklung tatsächlich dahin, dass die Politik immer mehr an Einfluss verliert und andere Kräfte zunehmend die Macht übernehmen? Wie ordnest du diese Entwicklung ein?

OM: Ich spreche häufig von der „Verdreierung“7 der Welt. Politik wird von Punkt Neun bestimmt, aber die Neun dient willfährig der Neurose des Egos an Punkt Drei: Totale Überproduktion im Dienste der Eitelkeit. Kapitalismus bedeutet Plutokratie und befindet sich in zügellosem Wachstum. Plutokratie und Demokratie sind am Ende unvereinbar. Zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte gibt es einen Billionär… 

…Elon Musk.

OM: Elon Musk, ja. Natürlich braucht kein Mensch diesen Reichtum, man braucht nicht mal eine Million, um ein Leben frei von finanziellen Sorgen zu führen. Aber es geht hier nicht mehr um wachsenden Wohlstand, sondern ausschließlich um eine Machtsymbolik des Egos. Das Ego möchte größer sein als Gott, es träumt von seiner eigenen Unsterblichkeit. Reichtum ist für das Ego ein Totem aus der Welt magischen Denkens und dient seinem Unsterblichkeitsprojekt. 

Dass dieses System die Politik schwächt, deren Aufgabe darin besteht, Gerechtigkeit unter den Menschen zu verteilen, das ist nicht schwer, einzusehen. Letztlich kann man aber keine pauschale Voraussage treffen. Tech-Konzerne z.B. können plötzlich – wie sich in der Vergangenheit gezeigt hat – aus dem Staatswesen heraus einen derartigen Gegenwind bekommen, dass sie zerschlagen werden. Was heute noch einer der mächtigsten Konzerne ist, könnte morgen bereits vor dem Abgrund stehen.

Schauen wir jetzt auf die deutsche politische Landschaft und die Parteien. In Deutschland gibt es im Wesentlichen die Einteilung in links, rechts und Mitte – teilweise ergänzt durch die Begriffe extrem links und extrem rechts. Gleichzeitig verstehen sich alle Parteien als Teil der Mitte und als Vertreter des Volkes.
Wie bewertest du diese Einteilung und dieses Parteienwesen grundsätzlich? Unabhängig von den konkreten Parteiprogrammen und Themen – wie siehst du diese politische Struktur?

OM: Die gesamte horizontale Aufteilung des Parteienspektrums in links und rechts entspricht der simplen, horizontalen Denkform des denkenden Geistes, über die die Masse der Menschen nicht hinausgelangt ist. Wenn man die Parteienlandschaft aus Sicht der Bewusstseinsevolution betrachtet, dann müsste man sie in einer vertikalen Achse betrachten und dort im Lichte der Verwirklichungshierarchie, wie sie in der Bewusstseinsevolution studiert werden kann, Unterscheidungen vornehmen.

Das heißt, jede Partei kann einer Stufe der Bewusstseinsevolution zugeordnet werden? Du arbeitest in der inneren Schule u.a. mit einem vertikalen Modell, den „spiral dynamics“, welches von Bewusstseinsforschern entwickelt wurde. Dieses Modell erhebt den Anspruch, objektive Stufen der Bewusstseinsevolution abzubilden.

OM: Ja, jede Partei hat eine geistige Matrix, die sich in der Bewusstseinsevolution und den objektiv existierenden Stufen dieser Evolution einordnen lässt. Leider wird eine solche Einordnung von Menschen, die sie nicht verstehen, oft als pauschal verurteilt. Dann kommt häufig der Einwand: „Aber dort gibt es doch viele fähige Menschen, schau dir doch diesen oder jenen an.“ Das spielt jedoch gar keine Rolle. Natürlich gibt es in jedem System einzelne Menschen, die herausstechen und näher an ihren eigenen Tiefenstrukturen sind als andere. Aber indem sie Mitglied einer Partei sind, sind sie auch Teil der jeweiligen geistigen Matrix dieses Systems. Diese geistige Matrix kann innerhalb der Bewusstseinsevolution eingeordnet werden – beispielsweise mithilfe der „spiral dynamics“, die ich als vertikales Modell neben anderen benutze.

Was bedeutet eine vertikale Einordnung der politischen Parteienlandschaft?

OM: Einfach gesprochen: Anstatt links – rechts: oben – unten. Ein einfacher Intellektueller assoziiert jetzt vielleicht moralisch-ethische Kategorien. In Wirklichkeit handelt es sich um objektive Deutungen, so wie sie durch Innere Wissenschaft möglich sind. 

Die alten, ehemals großen Volksparteien der Mitte befinden sich nicht auf unterschiedlichen Ebenen im Bewusstseinsspektrum. Auffällig sind im Wesentlichen die Grünen und die AfD, die eigentlich RAfD heißen müsste: Regressive Alternative für Deutschland. Das ist keine Abwertung, sondern eine schlichte Einordnung im Wissen um die Bewusstseinsstufen im Spektrum des Bewusstseins und ihre Funktionsweisen.

Wenn ich dich richtig verstehe, geht es dabei um ein Wissen, das nur sehr wenige Menschen kennen. Denn Parteien nicht horizontal nach politischen Richtungen, sondern vertikal nach bestimmten Bewusstseinsstufen einzuordnen, ist ein völlig anderer Zugang. Diese Perspektive ist ja niemandem bekannt.

OM: Was auch daran liegt, dass sich jeder Mensch und jedes menschliche System in einer bestimmten Stufe der Bewusstseinsevolution aufhält. Diese Stufe ist geistig begrenzt, aber dennoch glaubt jeder Mensch innerhalb der Ersten Ordnung unbewusst daran, es sei die Letzte und Höchste: Es sei Absolut. Zwar können einzelne Entwicklungsstrahlen seines komplexen Systems zeitweise in andere Stufen hineinreichen, das ändert aber alles nichts daran, dass man den Grundzustand einer Person (oder eben auch einer Gruppe, wie z.B. eine Partei) einer Stufe in der geistigen Evolution zuordnen kann.

Wähler von politischen Parteien sind also zwangsläufig in Resonanz mit der geistigen Matrix der Partei. Eine Partei, die weiter unten in einer niedrigeren Evolutionsstufe arbeitet, wird auch einzelne Menschen anziehen, die sich auf dieser Stufe befinden.

OM: Resonanz ist unausweichlich und zwangsläufig, es ist ein wichtiges Gesetz in der geistigen Welt (und nicht nur dort). Nur auf den ersten Blick erscheint es paradox, dass das oben erwähnte geistige Verabsolutierungssyndrom stärker wird, je niedriger die Entwicklung des Geistes im Menschen, d.h., je niedriger die Entwicklungsstufe innerhalb der Ersten Ordnung. Unausgesprochen gilt: „So ist die Welt, und ich habe recht!“ 

Verhaltensänderungen (wie z.B. mehr Toleranz, oder Mitgefühl zeigen und teilen) bedeuten noch keinen Aufstieg auf eine höhere Stufe des Spektrums. Eine wirkliche Veränderung geschieht erst, wenn ein Mensch durch eine radikale innere Schulung geht, welche die geistigen Grundstrukturen, auf denen diese Entwicklungsstufe beruht, bloßlegen und einem Erkenntnisprozess aussetzen kann. Jede einzelne Stufe innerhalb der Ersten Ordnung beruht aus Sicht der Inneren Wissenschaft auf Glauben, nicht auf Wissen. Selbst das Metaparadigma der Naturwissenschaften8 beruht auf Glauben. Das spielt jedoch in vielen praktischen Anwendungen keine Rolle und beeinträchtigt nicht den Nutzen, den sie für die Menschen bringt. Die Naturwissenschaften stehen sehr weit oben in der Ersten Ordnung. Überlegene Wissenschaften befinden sich in der Zweiten Ordnung.

Im Grunde hat doch jede Partei eine gewisse Teilwahrheit und eine bestimmte Teilperspektive. Das Problem entsteht dort, wo Menschen glauben: „Das ist die Welt, und ich habe recht.“ Daraus entstehen die Spaltung und die Überzeugung, dass die anderen falsch liegen. 

OM: Das Verabsolutierungssyndrom. Darin existiert auch keinerlei Erkenntnis vertikaler Unterscheidung.

Sind die Konflikte zwischen Parteien also letztlich weniger klassische Links-Rechts-Konflikte, sondern vielmehr Konflikte zwischen unterschiedlichen Bewusstseinsstufen? Und kann diese Spaltung nur überwunden werden, wenn man eine systemische Sichtweise einnimmt, die diese Teilwahrheiten integriert und in eine höhere Perspektive führt? Damit wären wir eigentlich schon bei der möglichen Lösung.

OM: Ja, denn im politischen Diskurs gibt es – wenn man ihn nicht mehr ideologisch verbrämt –, relative Wahrheiten bei den „rechten“, wie auch bei den „linken“ Perspektiven. Beide vertreten in der Essenz wertvolle geistige Prinzipien: Das Bewahrende und das Progressive schließen sich nicht aus. Der Ausschluss entsteht erst durch die geistigen Zerrbilder, die umso stärker werden, je niedriger sich ein Mensch im Bewusstseinsspektrum befindet.

Der wahre Kern, die geistige Essenz, ist in vielen stark verzerrten Diskursen in der Tiefe noch zu finden. Nehmen wir das Thema Migration. Migration ist wichtig, aber wie hat sie zu geschehen? Wenn man die gesamte geistige Struktur des Enneagrammtyps Neun kennt, an der auch Angela Merkel während ihres Wirkens als Bundeskanzlerin verhaftet war, dann können wir die Aussage „Wir schaffen das“ als Scheinheiligkeit deuten.  Ihre Nichthandlung im Jahr 2015 und die Entscheidung, weit über eine Million Menschen ins Land kommen zu lassen, ohne die geringste Kontrolle, geschah nicht aus priesterlicher Toleranz, (wie sie wahrscheinlich selbst sich glauben machen wollte), sondern aus Bequemlichkeit, der Todsünde an Punkt Neun. Die Bequemlichkeit ist eine Unterlassungssünde. Da sie wesentliche Handlungen (z.B. Stopp zu sagen) passiv aussitzt, leistet sie Vorschub den Handlungen des Gegners. Extremistischen Tendenzen im politischen Spektrum werden Tür und Tor geöffnet.

Der sich dann wie eine Gegenbewegung, ein Nein, zeigt?

OM: Ja, die Gegenbewegung des Neins lebt dann die Zorneskraft aus, welche die Bequemlichkeit eingeschläfert hat. Was ich selbst als verantwortlicher Entscheider unterlasse, das kommt mir durch den Gegner vermeintlich von außen entgegen. Auch dieser Vorgang ist zwangsläufig und beruht auf Gesetzmäßigkeiten der geistigen Welt. 

Du unterscheidest, abgeleitet von der Evolutionsphilosophie, wie du sie lehrst, grundsätzlich zwei Bewegungen: die vorwärtsgewandten Evolutiven und die rückwärtsgewandten Involutiven. Die AfD erscheint in ihrer geistigen Matrix und auch in ihren politischen Inhalten stark rückwärtsgewandt und ist geprägt von einem grundsätzlichen „Nein“ – von einer Ablehnung gegenüber den bestehenden Verhältnissen und den Entwicklungen. Sie spricht insbesondere Menschen an, die sich als ungerecht behandelt empfinden und sich gegen „die da oben“ und den Staat wenden. Kann man sagen, dass die AfD in diesem Sinne eine stark rückwärtsgewandte politische Bewegung ist?

OM: Die AfD verkörpert eine starke Regression des Bewusstseins. Es ist eine Partei, die in ihrer Matrix einen niedrigen, voraufgeklärten Bewusstseinszustand repräsentiert und entsprechend eher einfältige Menschen anzieht. Lax gesprochen ist es eine Partei für Spießer, was sie in ihren Anfängen gar nicht war. An Wissenschaft ist diese Partei nicht interessiert, denn sie will „die rational zugängliche Wirklichkeit durch einen gefühlsgesättigten Mythos ersetzen“9. Diese primitive, vorrationale Informationskultur nennt sich Propaganda, ein unangenehme Assoziationen weckender Begriff, der seinem etymologischen Ursprung nach auch als primitive Form der Vermehrung übersetzt werden kann, denn er geht zurück auf lat. propages, was Ableger, Setzling (einer Pflanze) bedeutet. Laut der jüdischen Philosophin Hannah Arendt „spricht Propaganda die Entwurzelten an“, die den Halt der regressiven Gemeinschaft, der Herde suchen. Diese Betrachtungen erklären auch, warum dieser Partei das staatliche Fernsehen ein Dorn im Auge ist. Die rational zugängliche Wirklichkeit und die Fähigkeit wissenschaftlichen Denkens ist ein hohes Gut an der Spitze der Ersten Ordnung. Diese Stufe muss in der Bewusstseinsevolution von einem Menschen durchschritten werden, um in eine nachrationale Dimension vorzustoßen. Aber es ist ein wichtiges Verständnis des inneren Weges und traurige Wirklichkeit: Menschen und entsprechend ihre Systeme entwickeln sich nicht nur vorwärts, sie können sich auch zurückentwickeln. 

Wo liegen die Ursachen dieser Regression?

OM: Freiheit und Auflösung innerer Grenzen machen den Menschen Angst. Ich verwende in der Inneren Arbeit manchmal folgendes Bild: „Der souveräne Kleingärtner.“ Er lebt in einem heimeligen Kleingarten, der von einem hohen Zaun umgeben ist. Er nennt ihn Heimat. Es ist alles ziemlich eng, aber es ist sicher und vor allen Dingen ist es bekannt. Was aber am wichtigsten ist: Er hat in seinem kleinen Reich alles unter Kontrolle und ein Empörungsrecht über „die da draußen“ (= “oben“). Er hat die Macht! Verschwörungstheorien wuchern wie Unkraut. Das Gartentor ist zwar offen, aber er verlässt den Kleingarten nicht.

Auf der anderen Seite, dem „linken“ Spektrum, ist eine genau gegenläufige, geistige Verirrung zu beobachten, die von einem falschen Freiheitsverständnis des denkenden Geistes ausgeht. „Liberal“ ist ein Begriff, welcher dieser Seite zugeordnet wird. In den inneren Lehren ist mit „freiheitlich“ (ein Quasisynonym) aber nicht die Freiheit des denkenden Geistes gemeint („die Gedanken, die sind frei“), sondern die Freiheit der Seele. Das wird im horizontalen Denken gar nicht unterschieden. Diese falsche Form „linker“ Liberalität hat zu einer geistigen Wucherung geführt, die sich, ausgehend vom Silicon Valley besonders auch in der digitalen Welt und in der gesamten Tech-Branche widerspiegelt. Der unscharfe Begriff der „Globalisierung“ beschreibt zumeist davon abgeleitete, geistige Phänomene, welche sich dann in der materiellen Welt ausdrücken. Falsches Freiheitsstreben des denkenden Geistes bei gleichzeitiger Unkenntnis eigener Begrenztheit führt zu Wucherungen, wie sie sich in den Funktionsweisen eines Krebsgeschwürs wiederfinden. Es ignoriert den Wirt und will rücksichtslos wachsen. Wachstumskräfte benötigen als Ausgleich die Anwesenheit reduktiver, begrenzender Kräfte. Kräfte, die in politischer Sprachweise als „konservativ“ oder „traditionell“ bezeichnet werden.

Dieser Zustand geistiger Entgrenzung hat weltweit dramatische Ausmaße angenommen. Extremistische Formen „liberalen“ Denkens, die jegliche Tradition über Bord werfen und glauben, totale Freiheit bestehe darin, jeden geistigen Exzess des Egos als „Meinungsfreiheit“ zu tolerieren. Vieles davon – ich habe es in dem Lehrbuch Intelligenz des Erwachens hergeleitet – hat seine Ursprünge auch in der Hippie-Bewegung. Ihre Antikonsumhaltung war mir immer sympathisch, meine Jugend stand immer noch im Zeichen der 68er. Wir waren extrem rebellisch, autoritätsfeindlich, nahmen psychedelische Drogen und hörten psychedelische Musik. Ursprünglich gab es ernstzunehmende Bemühungen spiritueller Erkenntnis. Doch in der Breite entwickelte sich daraus eine falsche Form von Liberalität und die latente und undifferenzierte Feindseligkeit gegen jede Form von begrenzender Autorität des Vaters führte zu Respektlosigkeit gegenüber dem Staatswesen, wie es heute unter den großen Playern der Tech-Branche und unter Superreichen gang und gäbe ist. 

Auch das Internet war in seinen Anfängen begleitet von großen, geistigen Freiheitsidealen.

OM: Naive Freiheitsdenker – dazu zählten auch die ersten Internet-Nerds, die dachten, nun beginne die ganz große Freiheit und jeder könne völlig demokratisch mit jedem kommunizieren – hatten überhaupt kein Verständnis davon, dass diese vermeintliche Freiheit des Denkens ein absolutes Gegengewicht reduktiver, konservativer Kräfte benötigt, welche den falschen Expansionismus des denkenden Geistes im Zaum halten. Den denkenden Geist hält nichts mehr zurück, wenn man ihm keine Grenzen setzt. Er wird größenwahnsinnig. Man muss tief in das Wesen des Egos eindringen können, es braucht esoterisches Wissen, um das nachvollziehen zu können und das ist nur auf einem inneren Weg möglich zu erwerben.

Wir sind ja über die AfD an diesen Punkt der Betrachtung gekommen. Einerseits wirken hier regressive Kräfte – und zwar nicht nur bei der AfD, sondern, wie du sagst, weltweit. Andererseits wird das, was du gerade als weltweite Wucherung beschrieben hast, durch diese Kräfte begrenzt, die jetzt notwendigerweise auftreten müssen.

OM: Extremistische geistige Wucherungen werden unfreiwillig durch extremistische geistige Reduktion harmonisiert. Gesetzmäßigkeiten in der geistigen Welt bewirken das. Was es braucht, ist ein bewusster Weg der Mitte. Die bewusste, schrittweise Weiterentwicklung von Tradition, nicht das Tabula rasa, ist ein entscheidendes Prinzip auf dem Weg der Mitte und eine Lehre des Integralen Yoga.
Es braucht die Rückbesinnung und Erinnerung christlicher Werte in unserer Kultur, das Christentum ist und bleibt unsere spirituelle Tradition. Die werden von liberalen Extremisten im Dienste unwissender Ideen über „Fortschritt“ und „Freiheit“ ignoriert, verflacht, verwässert, nicht respektiert. Auf dem Weg der Mitte haben sie jedoch eine entscheidende Bedeutung zum Ausgleich der Kräfte. Vieles von dem, was diese Geister als „Fortschritt“ verstehen, stellt sich in Kenntnis der Bewusstseinsevolution als „Rückschritt“ dar. Äußerer Fortschritt (z.B. technologischer) kann mit innerem Rückschritt einhergehen.10

Andererseits kann der falsche Konservativismus des Geistes als eine reine Gegenbewegung eines festhaltenden Egos gesehen werden, das sich mit einem grundlegenden „Nein“ gegen jede Weiterentwicklung verwehrt. Psycho-spirituelle Bequemlichkeit ist die Mutter aller Todsünden des Menschen. Sie will, dass alles so bleibt, wie es ist. Bequemlichkeit will keine Veränderung. Deswegen sind Persönlichkeiten von Punkt Neun häufig auch verquere Traditionalisten, die in Unkenntnis dieser fortschrittsblockierenden Leidenschaft das Ewiggestrige anbeten.

Also ist die AfD im Grunde auf der einen Seite so: „Keine Veränderung, es soll so bleiben“ – also eigentlich eher zurück. Es soll wieder so werden wie früher, als alles noch gut war: keine EU, kein Euro, keine Einwanderer usw. Auf der anderen Seite steht aber diese ständige Gegenbewegung – das Aufbegehren der Wutbürger, das Aufstehen, das Nein-Sagen. Das gehört ja irgendwie alles zusammen.

OM: Die AfD ist ein Sammelbecken für die niederen Frequenzen des Enneagrammtyps Neun. Wenn wir einem Enneagramm-Kenner die Massen der Parteimitglieder der AfD vorführen würden, dann würde er bis zu 80 Prozent Neuner identifizieren. Diese Zahl ist selbstverständlich unwissenschaftlich, eine reine Bauchzahl.

Siehst du in anderen Parteien – natürlich im Hinblick auf den Weg der Mitte, den du beschrieben hast – eine höhere Bewusstheit? Und siehst du in anderen Parteien eher diese Harmonie zwischen regressiven beziehungsweise reduktiven Kräften und expansiven Kräften sowie zwischen Tradition und Weiterentwicklung? Siehst du also höhere Bewusstseinszustände bei manchen Parteien?

OM: Wenn die CDU das C in ihrer Partei ernst nehmen würde, wäre sie eine seriöse, dem konservativen Anspruch gerecht werdende Partei. Aber zu wenige Vertreter dieser Partei tun das. Das Gleiche ließe sich über die FDP sagen: Würde sie das F ernst nehmen, hätte sie eine echte Existenzberechtigung. Als Helmut Schmidt in einem Interview auf die „Liberalen“ angesprochen wurde, korrigierte er den Interviewer. Sie seien nicht „liberal“, sondern „wirtschaftsliberal“. Am höchsten in der inneren Ordnung des Bewusstseinsspektrums aufgestiegen sind die Grünen. Die ursprünglichen Grünen, die noch wirklich alternativ waren, bevor Anpassung und Machtgefälligkeit eine wirklich alternative Lebenshaltung zunehmend verwässerten. Aber im Kern ihrer Matrix stehen sie nach wie vor für einen relativ hohen Bewusstseinsstand der Ersten Ordnung im Übergang zur Zweiten: Ein einfacheres Leben im Einklang mit der inneren und der äußeren Natur, welches nicht mehr einem zwanghaften, vollständig veräußerlichten Wachstumsdenken verfallen ist. Ihre Matrix kommt den Lehren des Integralen Yogas am nächsten. Leider muss man auch in dieser Partei eine zunehmende Entfernung von der ursprünglichen Matrix beobachten. Eine Rückbesinnung wäre notwendig, würde jedoch zu Machtverlusten führen, denn regieren kann man Deutschland auf dieser Stufe nicht. Das Resonanzgesetz schließt es aus.

Bei SPD und CDU gibt es ja immer weniger Unterschiede. Früher war das noch ganz anders, aber im Grunde entsteht doch immer mehr ein gemeinsamer Bereich in der Mitte.

OM: Gleiche Ebene, Bereich der Mitte. Am Ende kommt es auf das Personal an, das in der Lage ist, diese Mitte wirklich zu kultivieren.

Und beim Personal gibt es kaum noch Persönlichkeiten wie früher, nehmen wir zum Beispiel Helmut Schmidt.

OM: Helmut Schmidt, Willy Brandt, selbst Franz Josef Strauß… Ja, wir leben in einer Zeit zunehmender Normierung und Bewusstseinsverflachung. Was das politische Personal betrifft, ist diese Tendenz in jedem Fall sichtbar.  Das heißt, wir haben im Moment leider das Pech – oder Deutschland hat das Pech –, dass derzeit nur sehr …

Konturlose …

OM: … Ja, wir sind wieder bei der Konturlosigkeit angekommen. Konturloses Personal kommt nach oben. Angepasste Wendehälse. Joschka Fischer war da auch noch eine andere Liga, weil er aus der ursprünglichen Matrix stammte.

Wie würdest du denn jetzt mit den Parteien „umgehen“? Bei der AfD stellt sich ja immer wieder die Frage nach der sogenannten Brandmauer. Eine Abspaltung kann aber nicht der richtige Weg sein. Wenn wir es noch einmal auf die Bewusstseinsstufen zurückverfolgen, geht es ja um eine Integration aller Kräfte, also aller Themen und jeder geistigen Matrix der Parteien. Wie siehst du das?

OM: Allein die Ausrichtung und das Sich-Aufreiben mit dem Konzept des richtigen Umgangs mit dem politischen Gegner ist schon eine falsche Perspektive. Anstatt sich am Gegner aufzureiben, sollte man sich auf die eigene Kraft fokussieren und diese produktiv vorantreiben. Die Lehren über den Umgang mit dem Gegner, die ich ja auch lehre, besagen unter anderem, dass die Selbstschwächung zur Stärkung des Gegners führt. Selbstschwächung geschieht durch eine falsche, veräußerlichte Aufmerksamkeitshaltung, die sich ständig am Gegner aufreibt, anstatt sich mit der eigenen Kraft zu befassen. Eine Fehlperspektive.

Also, in die eigene Kraft gehen.

OM: Der einfache Mensch versteht unter eigene Kraft meine Kraft. Die inneren Lehren meinen mit eigene Kraft innere Kraft. Das ist nicht dasselbe. Die Kraft der Wahrhaftigkeit von innen heraus vertreten. Dass es immer andere gibt, die dann nicht den Bewusstseinsstand in sich tragen, um das sehen zu können, das ist Normalität. 

Eine letzte Frage: Hast du auch eine Vision eines Gegenmodells zu diesen Parteien oder zum Umgang mit Politik und Parteien aus einer höheren Sicht? Wie müsste das aus einer höheren Ordnung aussehen?

OM: Vielleicht noch ein paar Erläuterungen zu dem Wissen, warum die Partei der Grünen eigentlich an der Spitze des Spektrums stehen, bzw. stehen würden. Man muss die Stufen der Bewusstseinsevolution näher verstanden haben, um das nachzuvollziehen. Aber jeder Mensch kann die Stufen nur bis zu der Stufe verstehen, auf der er selbst steht, selbst dann, wenn er die Theorie der Modelle eingehend studiert. 

Die gesamte Evolution des Bewusstseins und damit auch des menschlichen Geistes ist in eine Erste und in eine Zweite Ordnung zu unterscheiden. Die gesamte Erste Ordnung wird von starken Realitätsverlusten, verursacht durch den denkenden Geist, beherrscht, die in zunehmendem Aufstieg sukzessive abnehmen. An der Spitze der Ersten Ordnung, im Übergang zur Zweiten, befindet sich eine Stufe, in der sich das Bewusstsein beginnt, nach innen zu wenden. Wenige Menschen erreichen diese Stufe, ohne wieder zurückzufallen. In dieser Innenwendung wird höhere Selbstreflexion erst ermöglicht. Ohne Selbstreflexion, die über rein mentale Bewertung und Analyse weit hinausgeht, gibt es überhaupt keinen Aufstieg. Schon gar nicht über die Erste Ordnung hinaus.
Diese letzte Stufe der Ersten Ordnung ist eine Art Übergangsstufe, in der der Mensch zum ersten Mal beginnt, Innenkehr zu betreiben und ernstzunehmende Innere Arbeit zu beginnen. Der Zugang zur Realität beginnt erst hier. Ein Intellektueller hält das nicht für notwendig, ein Ignorant auch nicht, ein der Veräußerlichung Hingegebener auch nicht. Kurz: Alle, die sich auf Stufen unterhalb dieser Stufe aufhalten. In dieser Stufe kann wirkliche Veränderung eingeleitet werden. Die Ursprungsmatrix der Partei der Grünen befindet sich auf dieser Stufe, dem Übergang zur Zweiten Ordnung der Seele.

Wie würde eine Parteienlandschaft in der Zweiten Ordnung aussehen? Systeme der Zweiten Ordnung arbeiten vollständig anders. Sie arbeiten von innen heraus. Sie arbeiten aus dem Nicht-Wissen, aus der Stille des Geistes. Und sie sehen nicht auf eine bestimmte Weise aus. Sie sehen gar nicht aus.

 

Das Gespräch mit OM führte Steffen Wöhner, Lehrer der Enneallionce - Schule des Vierten Weges, im Sommer 2026.


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1 Das Enneagramm der Charakterfixierungen beschreibt die unterbewussten Strukturen des Geistes (Ego) wie eine Landkarte. Es zeigt, wie sich verborgene Antriebe in unserer Persönlichkeit ausdrücken und tagtäglich durch unser Denken, Fühlen und Handeln unbewusst wirken.

2 spiral dynamics ist ein Modell, welches universelle Bewusstseinsstufen aufzeigt, die für alle Menschen ausnahmslos gelten. (Näheres dazu in: OM C. Parkin, „Intelligenz des Erwachens“, advaitaMedia, 2019, S. 514)

3 Artikel von OM C Parkin: „Reifung auf dem inneren Weg“, erhältlich auf www.advaitamedia.com

4 Der Punkt Neun, den das Enneagramm der Charakterfixierungen beschreibt, wird auch als die „Mutter“ aller Ego-Welten bezeichnet. An diesem Punkt wird die grundlegende Ignoranz des Egos gegenüber der Existenz der Seele und ein selbstvergessenes Verschmelzen mit der äußeren Welt aufgezeigt. (Vertiefte Informationen dazu in: OM C. Parkin, „Zorn – Der Kampf gegen die Wirklichkeit“, advaitaMedia, 2020)

5 Das Entwicklungsmodell spiral dynamics unterscheidet in der Beschreibung menschlicher Bewusstseinsentwicklung zwischen der sogenannten Ersten Ordnung als einem personalen System, einer Ordnung des Geistes und der Zweiten Ordnung: einem transpersonalen System als der Ordnung der Seele. (s. OM C. Parkin, „Intelligenz des Erwachens“, advaitaMedia, 2019, S. 297ff)

6 Der Punkt Sechs des Enneagramms als die zentrale Angstfixierung beschreibt „das System Angst“. Hier wird das direkte und nahe Fühlen von Angst vermieden, indem ein Ich Angstwelten der Bedrohung und Feindseligkeit, des Misstrauens und Zweifelns erschafft und sich darin wahnhaft aufhält. Das Enneagramm zeigt auf, dass es eine direkte Verbindung zwischen dem Geist der Sechs (angstvolle Anspannung) und dem der Neun (eingeschlafene Entspannung) gibt und auch ein Pendeln zwischen diesen beiden Standpunkten. (Vertiefte Informationen dazu in: OM C. Parkin, „Angst – Die Flucht aus der Wirklichkeit“, advaitaMedia, 2015) 

7 Am Punkt Drei des Enneagramms wird eine Ego-Welt aufgezeigt, in der das Ich die natürlichen Gesetzmäßigkeiten der Entwicklung für seinen eigenen und persönlichen Schöpferwunsch machtvoll in Anspruch nimmt. „ICH bin Schöpfer, bin das Zentrum der Welt und mache mich zu dem, der ich sein will“ ist die verblendete Perspektive dieser Egostruktur. In der modernen Leistungsgesellschaft ist diese Haltung mittlerweile zum allgemein anerkannten Standpunkt geworden. Dieses Phänomen wird in der Sprache des Enneagramms als „Verdreierung“ der Gesellschaft bezeichnet. (Vertiefte Informationen dazu in: OM C. Parkin, „Unerfüllte Liebe – Der Sog in die Scheinwirklichkeit“, advaitaMedia, 2022)

8 Die Bedeutung des „Metaparadigmas“ der Naturwissenschaften ist nachzulesen in: OM C. Parkin, „Intelligenz des Erwachens“, advaitaMedia, 2019, S. 318.

9 Die ZEIT, Propaganda, 11. Juni 2026.

10 „Wucherndes Wirtschaftswachstum mit destruktiven Folgen für den gesamten äußeren Lebensraum ist ein Anzeichen für eine weitreichende Verlagerung des eigentlichen Wachstumsgebots des göttlichen Weges für den Menschen von innen nach außen. Die Folge ist: Stark beschleunigtes Wachstum im Außen (Wirtschaft, technische Entwicklung usw.) auf Kosten des inneren Wachstums des Menschen.“ (Siehe: OM C. Parkin, „Intelligenz des Erwachens“, advaitaMedia, 2019, S. 162)
 

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