Kurzinterview mit OM C. Parkin
Frage: Wie schaust du, wie schaut ein spiritueller Meister auf die aktuelle Lage in der Welt, insbesondere auf die Kriege, die sich im Moment stark ausweiten?
OM Ein spiritueller Meister schaut gar nicht auf die Welt.
Kannst du zu dem derzeitigen Geschehen, zur Weltlage, die sich im Moment zuzuspitzen scheint, etwas ausführen?
OM Die Aufmerksamkeitsspanne des denkenden Geistes, aus dem heraus Menschen die sogenannte Welt wahrnehmen, ist ja eine Aufmerksamkeitsspanne, die sich in begrenztem zeitlichem und räumlichem Rahmen befindet. Das heißt, jemand bekommt den Eindruck, dass die Kriege sehr stark zunehmen in der aktuellen Weltlage. Wenn wir diese zeitlich begrenzten Rahmenbedingungen ausweiten, ist die Wirklichkeit doch eine ganz andere. Muss man nicht ein bisschen naiv sein, um zu der Beurteilung zu kommen, die Kriege würden gerade stark zunehmen? Solche Bewertungen haben nicht einen größeren und sehr viel weiteren Rahmen im Blick. Die Wirklichkeit ist: Es hat immer Kriege gegeben, die Kriege sind Teil eines sehr begrenzten Bewusstseinsstandes, in dem die Menschen leben. Es wird sie immer geben, solange es diesen begrenzten Bewusstseinszustand der Menschen gibt. Das ist alles. Es gibt nicht mehr Kriege, es gibt mal mehr und mal weniger. Und dass sich das über ein paar Jahre einmal in einem relativ friedlicheren Zustand befindet, kann nicht über die Gesamtlage der Menschheit hinwegtäuschen, die immer so war. Und deshalb kann man nicht davon sprechen, dass es im Moment mehr Kriege gibt, als sonst.
Das bringt mich zu der Frage: Warum sind die Menschen offensichtlich mehr an Krieg interessiert, als an Frieden?
OM Der Krieg ist eine zwangsläufige Folge des dualistischen Bewusstseins, in dem Menschen leben. In dem dualistischen Bewusstsein gibt es eine ich-hafte Welt, die zwangsläufig nicht bedingungslos friedliebend gegenüber Welten auftreten kann, die die ich-hafte Welt als außerhalb meiner selbst erkennt. Dem Fremden, dem vermeintlich Ich-Fremden gegenüber kann das Ich nicht freundlich gesinnt sein, weil es in der ich-haften Welt in der Tiefe einen Überlebensmechanismus gibt, den das Ich an sich und in sich nicht überwinden kann. Und wer überleben will, ist auch daran interessiert, sich gegen Feinde zur Wehr zu setzen, die sein Überleben behindern. Alle Angstwelten beruhen auf diesem Mechanismus: Feindseligkeit gegenüber dem, was mein Überleben behindert.
Damit hast du meine nächste Frage bereits beantwortet, welche inneren Gegebenheiten in den Menschen Krieg auslösen. Das vermeintlich äußere Geschehen muss also als ein inneres Geschehen betrachtet werden. Aber unabhängig, ob ich jetzt in die äußere Welt schaue oder in die innere, wie kann ich mich davon berühren lassen, ohne in Verzweiflung, Wut und Hilflosigkeit zu verfallen?
OM Endgültiger Frieden ist nur innerlich möglich. Der schlafende Mensch lebt vollständig in der Welt oder in dem, was er für sie hält. Ein Mensch, der aus dem Schlaf aufgewacht ist, lebt nicht mehr in der Welt – ohne jegliche Verleugnung der Welt. Die sogenannte Welt ist nicht im Zentrum seiner Aufmerksamkeit. Das, was die Menschen die Welt nennen, ist nicht die Welt. Es ist eine von verschiedenen Beschreibungen der Welt. Das, was du die Welt nennst, ist deine Welt, aber nicht die Welt.
Welche Nahrung für ihre Seele brauchen die Menschen, um nicht in den Strudel der Angst zu geraten? Ist der spirituelle Weg die Nahrung, die wir benötigen in dieser Zeit, oder kann auch Unterstützung auf relativer Ebene zu innerem Frieden führen?
OM In der Glaubensreligion genauso wie in der Psychologie gibt es Methoden des Trostspendens und des Hoffnungmachens. Das sind relative Methoden, die nicht der Methodik des inneren Weges entsprechen, die aber in ihrem begrenzten Rahmen selbstverständlich ihre Wirkung tun.
Ist dann der einzige Weg, die einzige Lösung zum Frieden das Erwachen aus dem Schlaf, die Welt zu verlassen und sich dem Innen zuzuwenden?
OM Ich habe kürzlich in der Lesung „Heilung vom Leiden“* längere Zeit damit verwandt, über die vier edlen Wahrheiten des Buddha zu referieren. Es gibt nur eine Ursache für Leiden, heißt es darin. Ist diese Ursache behoben, ist das Leiden behoben. Es gibt aber offenbar nur sehr wenige Menschen, die diese Ursache beheben können.
Deine Worte führen das äußere Geschehen von Krieg und Konflikten in der Welt radikal nach innen. Dennoch sind die Menschen betroffen von dem, was sie sehen. Kannst du deinen Ausführungen noch etwas hinzufügen?
OM Das Fazit ist: Äußerlich sichtbare Konflikte zwischen den Menschen sind ausschließlich Konflikte, die auf den beschränkten Geisteszustand des denkenden Geistes zurückzuführen sind, in dem die Menschen leben. Dieser beschränkte Geisteszustand kann nicht einfach so behoben werden. Ausschließlich in einzelnen inneren Menschen existiert die Möglichkeit, die Ursache des Leidens aufzuheben und damit inneren Frieden aufzusuchen.
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Das Gespräch führte Katrin Fuchs mit OM C. Parkin am 15. Mai 2026 im Kloster Gut Saunstorf.
* Lesung & Dialog mit OM C. Parkin „Heilung vom Leiden“ aus dem gleichnamigen Kapitel des Buches von Arnaud Desjardins „Immer gegenwärtiger Frieden“, am 14. Mai 2026 im Kloster Gut Saunstorf und Online.
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