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Buch Spirituelle Meisterschaft - Auszüge

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Lehrer und Schüler auf dem inneren Weg

Ist es möglich, durch Auszüge aus diesem umfassenden Werk von OM ein Interesse für das Buch selbst  zu wecken? Wir wissen es nicht und wagen es dennoch, mit dieser Kostprobe einen Geschmack davon zu vermitteln, was sich dem Leser nur durch das Studium des gesamten Werks in seiner ganzen Fülle erschließt. Das Buch lebt von dem Wechsel der konzentrierten Ausführungen des Autors mit den Gesprächen, die seine Schüler – die selbst Lehrer der von OM gegründeten Inneren Schule sind – mit ihm führen. So steht das Buch für die seit Jahrtausenden geübte Lehrform des Dialogs zwischen Meister und Schüler. OM zitiert große Meister wie Aurobindo, Gurdjieff, Osho, Sivananda und lässt deren Worte im Gesamtkontext seines Verständnisses der Lehre des Integralen Yoga neu aufleuchten.

Ein Meister gibt
Nichts
und nimmt
Alles.
OM C. Parkin

Auszüge aus Kapitel 5 – „Integraler Yoga“:

Integraler Yoga
Alle spirituellen Wege, alle Erwachenswege der Menschheit, gleich innerhalb welcher Tradition, werden unterschieden in die Wege des aufsteigenden Bogens und die Wege des absteigenden Bogens. Aufsteigender und absteigender Yoga. Die Geschichte der spirituellen Suche des Menschen, sie erzählt auch von der Unvereinbarkeit dieser Wege, von ihrer Konkurrenz, und manchmal gar von ihrer Feindseligkeit gegenüber der andersartigen Spiritualität. Asketen und Hedonisten, Jenseitsorientierte und Diesseitsorientierte, Transzendente und Immanente, Wahrheitssucher und Liebende, sie lebten häufig aneinander vorbei, gingen einander aus dem Wege, missverstanden einander, obwohl sie eigentlich das Gleiche suchten: das Ende ihres Ausgeliefertseins an den Tod und damit an die Vergänglichkeit. Die Einkehr in das Unvergängliche, das Ewige. „Natürlich haben sich Sadhakas beider Pfade immer wieder bekriegt, manchmal bis aufs Blut. Aus Unwissenheit – denn welchen Pfad ich zunächst auch betrete, das alleinige Gehen dieses Pfades wird begrenzt bleiben. Kein Aufsteiger erlangt letzte Erkenntnis, kein Absteiger kann die Realität erkennen, denn es geht um die Vereinigung beider Wege, die Vereinigung auf dem paradoxen Weg“.

Dialog zum Integralen Yoga

Haben denn die dort lebenden Menschen z.T. auch das Wesentliche aus dem Auge verloren? In Auroville gibt es keinen lebenden Guru mehr.

OM Ja. Dieses Phänomen ist nicht zu vermeiden, es kommt auch in vielen Ashrams vor, ich bin ihm im Ramanashram genauso begegnet, wie in Oshos Ashram in Poona nach seinem Ableben. Das fängt in Auroville schon damit an, dass du von Aurovillianern die Aussage hörst, sie kämen gar nicht dazu, im Matrimandir zu meditieren. Dabei ist das Matrimandir, der beeindruckende Tempel, das zentrale Heiligtum von Auroville, das Herz des gesamten Ortes, aber viele Menschen sind viel zu beschäftigt mit der battle of evolutionund finden innerlich die Zeit und den Raum nicht, den stillen Tempel aufzusuchen. Das ist ein wichtiges Zeichen eines inneren Verlustes und auch eines Nicht-Verstehens der stillen Tradition. Unwissenheit verhindert die Wertschätzung. Es nützt ja nichts, mit Haut und Haaren in den battle of evolutionzu springen, ohne sich dem inneren Projekt der Durchdringung von Illusion und der Realisation des SELBST zu widmen. Der weltzugewandte Pfad und der weltabgewandte Pfad müssen sich in der Dialektik des integralen Yoga vereinigen. Das ist die Lehre und die Selbstversenkung in innere Stille ist die höchste Form der inneren Praxis. Ohne ernsthafte innere Praxis existiert kein Erwachensweg für den Menschen, selbst dann nicht, wenn unvermittelte ‚Erleuchtungserfahrungen‘ gemacht wurden. Und die innere Praxis hat in der ‚Stadt des Goldes‘ einen zu geringen Stellenwert, auch wenn es natürlich alle Arten von Angeboten gibt. Wenn buddha, dharma, sangha die drei universell gültigen Säulen des Erwachensweges sind, dann steht dort dharma auf wackeligem Fundament und buddha ist fast eingestürzt.

Ich habe noch nicht ganz verstanden, welcher Art die Inspirationen sind, die Du in oder durch Auroville erhalten hast. Du sagtest, die Lehre wurde vervollständigt. Und das heißt ja, dass Advaita noch nicht das Ende ist, sondern dass noch etwas darüber hinaus geht?

OM Die indische Auslegung von Advaita ist noch nicht das Ende.

Also ich verstehe jetzt integralen Yoga – das hast Du auch jetzt so ausgedrückt – als die Harmonie zwischen „peace of mind“ und „battle of evolution“, eine natürliche Harmonie. Und ist es nicht so, dass nur durch den Lehrer oder Guru überhaupt diese Vereinigung realisiert ist? Weil der Geist des Schülers zunächst verengt ist, kann im Geist diese Vereinigung ja gar nicht wirklich stattfinden.

OM Die Vereinigung findet gar nicht im Geist statt, sie kann nur stattfinden, wenn der Geist als Ich-Entität stirbt. Integraler Yoga ist in seiner höchsten Form keine Praxis des denkenden Geistes mehr, auch wenn es verschiedene kleinereLehren, Lebensweisheiten des integralen Yoga gibt, die beispielsweise harmonische Lebensführung beschreiben. Ich habe dieses Lied von Sivananda43 in einem Vortrag zitiert, in dem heißt es: Eat a little, drink a little, meditate a little, have satsang a little. Das ist die Vermittlung einer Lebensweise, die immer noch für den Ich-Geist gelehrt wird, der sich dieser natürlichen, harmonischen Dynamik des integralen Yoga annähern kann, durch Verstehen und dem Ausweichen vor bestimmten – z. B. extremistischen – Verhaltensweisen. Auf diese Weise reift ein sattvischer Geist. Aber selbst ein sattvischer Geist ist immer noch ein Geist und somit ein ‚Dieb‘, (ein Bild, das viele indische advaita-Meister verwenden). Ein Dieb der Seele.

Und ist dann die Erweckung der drei Gehirne in dieser Beziehung zum integralen Yoga auch eine Praxis?

OM Die Erweckung der drei Gehirne ist eine Praxis des integralen Yoga, d. h. Gurdjieff hat auch integralen Yoga gelehrt. Mit Sicherheit hat er diesen Begriff nicht benutzt, und verschiedene Formen des Lehrers in verschiedenen Kulturen benutzen möglicherweise andere Begriffe. Aber wenn er davon sprach, dass die Praxis gleichzeitig in allen Zimmern zu geschehen hätte, dann ist das eine Praxis innerhalb des integralen Yoga.

Quelle: „Spirituelle Meisterschaft – Lehrer und Schüler auf dem inneren Weg“ von OM C. Parkin, advaitaMedia, 2019

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