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Was haben Ritter in einem modernen Kloster verloren?

Kurzinterview mit dem Weisheitslehrer OM C. Parkin, Spiritus Rector von Gut Saunstorf - Ort der Stille 

btb-1612-riter3.pngSeit Oktober hängen drei größere, neue Gemälde im Gutshaus von Gut Saunstorf – Ort der Stille: Ein betender und ein alternder Ritter und ein Weiser/Priester. Sie hinterlassen beim Betrachter, auch durch die eher dunkle Farbgebung, eine stille Tiefe und einen mittelalterlichen Eindruck. Warum hast du diese Bilder gewählt?  

Ich suchte nicht nach diesen Bildern. Sie kamen zu mir. Sie „tauchten auf“. So ist es mit den meisten anderen Devotionalien und Kunstgegenständen auch geschehen, die sich im Kloster befinden. Sie sind im Laufe der Jahrzehnte einfach zu mir gekommen, im richtigen Moment aufgetaucht. Selten war ich gezielt aktiv, wie vor Jahren in Madrid: Dort suchte ich in einschlägigen Läden nach einer Madonna. Sie hat jetzt ihren Platz im Großen Saal.

Jetzt ist also der Ritter aufgetaucht. Welche Bedeutung hat diese Figur?

Gemäß der Heiligen Dreiheit existieren drei große Archetypen, wie sie in den Lehren des Enneagramms wiedergegeben werden:

  1. Der Heilige, der Zerstörer von Illusion und geistiger Verdunkelung (Tod)
  2. Der Held, der Bewahrer des Wahren, Guten und Schönen (Leben)
  3. Der Magier, der Geburtshelfer und Enthüller des Wahren, Echten (Geburt)

btb-1612-riter2.pngDiese drei unpersönlichen, menschlichen Urformen, (die übrigens nicht einfach männlichen oder weiblichen, menschlichen Formen zugeordnet werden können), verkörpern die Grundprinzipien der manifesten Welt, die sich aus drei Kräften zusammensetzt, und stehen in Diensten der höchsten Dreiheit, der Heiligen Dreifaltigkeit, in der indischen Philosophie sat, chit, ananda: Sein, Bewusstsein, Glückseligkeit.

Der Heilige war schon in vielfacher Form aufgetaucht. Jetzt kommt der Held hinzu. Er verkörpert das zweite Grundprinzip. Was noch fehlt: Ein Bild des dritten Grundprinzips,  z.B. in Form eines Marienbildnisses. Es wird auftauchen, ich weiß nicht, wann.

btb-1612-riter1.pngSpiegelt sich darin auch die Entwicklung von Gut Saunstorf - Ort der Stille hin zu einem modernen Kloster?

Diese echten, alten Gemälde vertreten die Tradition, geben Schwere und seelische Substanz. Wir haben auch leichte, zeitgenössische Interpretationen, wie z.B. den Buddha in der Eingangshalle oder die gestifteten, monochromen Bilder aus der Vorbesitzerfamilie Von Oertzen, welche die Moderne vertreten. Moderne und Tradition, sie begegnen sich im „modernen Kloster“.

 

Klosterbrief Dezember 2016
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